Wir wissen, wo dein Auto steht und so…

FC St. PauliEintracht Frankfurt 1:3

Samstag, 30.10.2010, 15:30 Uhr, Millerntorstadion, Bundesliga (Männer)

Nachdem ich ja am Vortag schon bei der 100 Jahre St. Pauli-Ausstellung und im Backbord war und in Hamburg übernachtet hatte, konnte ich also am Samstag ganz ohne großen Reisestress das kommende Heimspiel ganz in Ruhe auf mich zukommen lassen und den Tag mit einem gemütlichen Spaziergang über den Flohmarkt am Schlachthof beginnen. Es ist auch mal wieder schön und interessant mitzuerleben, wie das Viertel sich an einem Heimspieltag Stück für Stück in braun-weiße Schale wirft.

Im Stadion mehr als pünktlich angekommen, war dann erstmal warten und schlechte Umsonstzeitung lesen angesagt. Zum Einlauf dann eine gigantische Blockfahne in der Südkurve und eine Kifferchoreo samt grünem Rauch aus der Ecke der Frankfurter_innen. St. Pauli brachte dazu noch eine Choreo zum Alerta-Netzwerk und mehrere zum bevorstehenden Castortransport.

Das Spiel selbst war dann noch keine fünf Minuten alt, da stand es plötzlich durch ein Murmeltor von Zambrano 1:0 für St. Pauli. Irgendwie konnte ich vor lauter Überraschung gar nicht wirklich jubeln und ich hatte das Gefühl, um mich herum ging es noch einigen ganz ähnlich. Doch leider sollte dieses Tor noch lange nicht der Gipfel der Kuriosität darstellen in einer Partie, die von genau zwei Männern bestimmt wurde: Eintrachtstürmer Theofanis Gekas und Schiedsrichter Marco Fritz. Kurz vor dem Pausenpfiff sah letzterer in einer sicher ungeschickten, aber keinesfalls schwerwiegenden Berührung Zambranos an ersterem ein elfmeterwürdiges Foul. Den daraus resultierenden Elfer verwandelte der „Gefoulte“ dann erwartungsgemäß sicher. Ich habe mir diese Szene x Mal auf youtube angesehen und ich kann nur zu dem Schluss kommen, dass Gekas diesen Elfmeter unbedingt haben wollte. Bei der Berührung, die es zweifelsfrei gab, gab es keinerlei Grund mit so viel Schwung zu Boden zu gehen, wie es Gekas tat. Natürlich kann mensch so einen Elfer geben. Verhältnismäßig ist es deswegen aber noch lange nicht. Dass die bis dahin weitgehend faire Partie zu einem ziemlich feindseligen Gehacke wurde, kann sich Fritz selbst ins Stammbuch schreiben, zumal seine fragwürdigen Regelauslegungen sich in der zweiten Hälfte häuften, so dass mensch durchaus hätte denken können, er habe auf Frankfurt gewettet, wenn er nicht teilweise auch Fehlentscheidungen zugunsten St. Paulis gepfiffen hätte. Als er dann Asamoah mit Gelb-Rot vom Platz stellte, war das Spiel gekippt. Das 2:1 und das 3:1 für die SGE waren bei allen Chancen der Braun-Weißen eigentlich nur noch Formsache. Frankfurt spielte die Überzahlsituation einfach clever aus. Das nennt sich wohl „Lehrgeld zahlen“… Das Ding ist jedoch, dass Asamoah sich die erste Gelbe abholen durfte, als er sich – in meinen Augen zu Recht – über die Elfmeterentscheidung beschwert hatte. Selbst Eintracht-Kapitän Ochs sprach laut Mopo von einem „geschenkten Elfer“. Zum Kotzen ist das…

Ein weiteres interessantes wie pikantes Detail ist dann natürlich noch, dass der Schiedsrichter eben jener Marco Fritz ist, der beim Spiel Duisburg gegen den FSV Frankfurt (auch Frankfurt!) im Januar diesen Jahres das spektakulärste Nicht-Tor seit Thomas Helmer als Treffer gewertet hatte. Manch Menschen sollten vielleicht doch lieber in eine Big Band gehen, wenn sie so gerne pfeifen…


3 Antworten auf „Wir wissen, wo dein Auto steht und so…“


  1. 1 Pepper 02. November 2010 um 11:50 Uhr

    Ja der Schiri war Schuld! Ansonsten hätte Pauli zweifelos 1000 zu 0 gewonnen.

  2. 2 DBA 09. November 2010 um 1:56 Uhr

    “ St. Pauli brachte dazu noch eine Choreo zum Alerta-Netzwerk und mehrere zum bevorstehenden Castortransport.“

    Es gibt eine gewisse Ironie, wenn Fangruppen – die sonst Politik im Fußball für so wichtig halten – eigentlich dann doch auf solche unpolitische Statements stehen… Ich meine, gibt es tatsächlich noch eine nennenswerte Zahl von Menschen in Deutschland die sich von Aussagen gegen Nazis und für den Heimatschutz betroffen fühlen? Of course not. Langweilig!

  1. 1 Bald ist Weihnachten « fussball von links Pingback am 21. Dezember 2011 um 17:22 Uhr
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