100 Jahre St. Pauli – Die Ausstellung

Am drittletzten Tag der Ausstellung zum 100. Jubiläum des FC St. Pauli habe ich es dann doch noch nach Hamburg geschafft, um mir ein wenig Kultur und Bildung zu gönnen, und so fand ich mich nach einem Bummel am Hafen am späten Freitagnachmittag in den Containern vor der Südkurve des Millerntorstadions ein.

Der FC St. Pauli vermarktet sich ja gerne – und nicht vollkommen zu Unrecht – als eher unkonventioneller Verein. Passend dazu findet die Jubiläumsausstellung dann auch ihren Platz nicht etwa in irgendeinem Museum, sondern in einigen über- und nebeneinander gestapelten Containern auf dem Stadionvorplatz. Eine Idee, die nicht nur gut zum nahen Hafen passt, sondern auch farblich ausgesprochen gut zu der Backsteinfassade der neuen Südkurve passt. Die Ausstellung selbst besteht ganz grob sortiert aus drei Teilen. Im einleitenden Teil wird das Drumherum des Vereins wie Vereinsfarben, Trikots und Stadien thematisiert, bevor es im mittleren Teil um die Geschichte der Männerfußballabteilung geht. Der letzte Teil beschäftigt sich ganz ausführlich mit den Fans des Kiezclubs. In einem kleinen Seitenflügel kommen dann auch einige andere Abteilungen des Vereins zu Wort. Die Frauen- und Mädchenfußballabteilung wird mit einem Film vorgestellt, ein Blindenfußball kann ausprobiert werden und Sportgeräte des Boxclubs Barracuda dürfen bestaunt werden. Besonders Interessant an dieser Stelle fand ich das Detail, das die Rugbyabteilung Anfang der 1930er von zwei jüdischen Menschen gegründet wurde, nachdem diese aus ihrem vorherigen Verein in St. Georg aus Gründen der „Arisierung“ ausgeschlossen worden waren.

Im historischen Teil hätte ich persönlich mir mehr und intensivere Auseinandersetzung mit der NS-Zeit gewünscht. Es muss dazu einfach mehr zu sagen geben, als nur die paar Sätze, die dort zu lesen sind. Was ist zum Beispiel aus jenen jüdischen Gründern der Rugbyabteilung geworden? Wenn die Ausstellung dann mal hoffentlich in ein ordentliches Vereinsmuseum überführt wird, sollte hier dringend nachgebessert werden. Noch besser wäre natürlich eine neue und eigene Ausstellung zu dem Thema, wie es sie bei anderen Vereinen bereits gegeben hat. Gerade ein Verein, der in braunen Hemden spielt und sein Stadion eine halbe Ewigkeit nach einem Profiteur der NS-Rassenpolitik benannt hatte, steht hier eindeutig in der Pflicht.

Doch zurück in die Containerwelt und zum letzten Teil der Ausstellung, der in meinen Augen der am besten gelungene ist. Liebevoll werden zahlreiche Faninitiativen wie AFM, AGiM, USP oder auch der Fanladen vorgestellt und vielerlei Bestandteile der Fankultur wie Liedgut, Winkelelemente oder die mittlerweile legendären „St. Pauli-Fans gegen Rechts“-Aufkleber gewürdigt.

Ich bin wirklich froh, dass ich diese Ausstellung noch gesehen habe, bevor sie die Türen schließt. Im Winter würde ich jedoch auch niemandem raten, durch die kalten, zugigen Räumlichkeiten zu latschen. Auch so war ich mehr als glücklich darüber, dass ich meine dicke Jacke anbehalten hatte. Wer noch nicht da war, kann bzw. sollte noch am 06.11. zur Finisage mit allerlei Specials und Musik kommen.


1 Antwort auf „100 Jahre St. Pauli – Die Ausstellung“


  1. 1 Wir wissen, wo dein Auto steht und so… « fussball von links Pingback am 01. November 2010 um 1:23 Uhr
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