Archiv für November 2010

Kurzdoku über homosexuelle Amateurfußballer_innen in Deutschland (gefunden via urs):


Aus dem Abseits – Ein Film über Homosexualität im Amateurfußball from Dino B on Vimeo.


Auf 11 Freunde gibt es noch ein Interview dazu.

Mehderitzsch, halt’s Maul!

Auf tatortbrandis gibt es folgende Anmerkungen zum Spiel des Roten Stern Leipzig gegen Mehderitzsch zu lesen:

Das Spiel am vergangenen Sonntag gegen SV Rot Weiß Mehderitzsch, bot neben dem 2:1 Sieg für den RSL (Spielbericht), weitere Highlights. Unter blauem Himmel, bei geradezu spätsommerlichen Temperaturen, zündeten Fans Nebel und Leuchtfeuer (hier anzusehen) und neues Liedgut (“…Leute lasst euch sagen, Mehderitzsch ist geschlagen!” zur Melodie von “Kling Glöckchen”) gab es auch zu hören. Nach Abpfiff durften sich die Mehderitzscher Spieler ihre Vereinshymne, aus den Mündern hunderter RSL Fans anhören. Der Text saß (bzw. stand im Kiezkicker), die Melodie ebenso und die Mehderitzscher fanden das wohl ganz lustig.

Ein weitere Besonderheit (oder eher eine Seltenheit im Fußball) war die Schiedsrichterin, die das Spiel pfiff. Der Anteil an Schiedsrichterinnen liegt übrigens bei ausbaufähigen 2% (Quelle: Die Standart). Keine Seltenheit, sind dann allerdings sexistische Sprüche gegenüber Schiedsrichterinnen.
Und wie sollte es anders sein, kam zumindest ein Mehderitzscher Spieler nicht umhin, seiner sexistischen Vorstellung vom “Männersport” Fußball, Gehör zu verschaffen. Unzufrieden mit irgendeiner Entscheidung der Schiedsrichterin, pöbelte er sie an: “Du pfeifst wie eine Fotze!”.

Reaktion ihrerseits: keine. Vielleicht hat sie es garnicht gehört, vielleicht war sie überfordert und vielleicht hat sie derartige Beleidigungen einfach schon zu oft gehört.
Reaktionen von Spielern sind uns übrigens auch nicht bekannt.

Wir sagen: Mehderitzsch, halts Maul!

Letzterem lässt sich nur zustimmen…

Berliner Fußballer misshandeln behinderten Senioren

SportsWire berichtet Folgendes:

Unter der Überschrift “Schwerbehinderten in Bus angegriffen” beschreibt der Berliner Polizeibericht, wie am Wochenende vermutlich eine Fußballmannschaft einen Rentner attackierte. Der Betreuer des Teams tat demnach nichts, um den Angriff zu unterbinden

Unbekannte verletzten gestern Vormittag einen Mann in einem Bus in Buckow. Der 74-Jährige befand sich gegen 10 Uhr 20 im Bus der Linie X 11 auf dem Oberdeck, als er von mehreren Jugendlichen zunächst verbal schikaniert und anschließend gegen den Unterschenkel getreten wurde.
Bei den Jugendlichen handelte es sich vermutlich um Angehörige einer Fußballmannschaft, deren Betreuer sich im Unterdeck des Busses befand.
Der 42-jährige Busfahrer beobachtete über die Überwachungskamera den Vorfall und forderte den Betreuer auf, sich um seine Leute zu kümmern. Da dieser nicht reagierte, hielt er den Bus in der Johannisthaler Chaussee an und forderte die Gruppe auf, das Fahrzeug zu verlassen. Beim Aussteigen aus dem Bus wurde der Fahrer von Einzelnen aus der Gruppe verbal bedroht. Als alle Personen das Fahrzeug verlassen hatten, fuhr er bis zur Endhaltestelle am S-Bahnhof Schöneweide weiter und alarmierte die Polizei.

Der schwerbehinderte 74-Jährige wurde bei dem Vorfall leicht verletzt.

Union vs. St. Pauli – Prozess gegen Anne H.

Am heutigen Mittwoch, dem 17. November 2010, fand im Amtsgericht Tiergarten in Berlin der erste Prozesstag in einem Verfahren statt, das einen eher ungewöhnlichen Verlauf zu nehmen scheint. Angeklagt ist die Studentin Anne H., die auf den Tag genau vor sieben Monaten, nach dem Spiel von Union Berlin gegen den FC St. Pauli, einen Polizisten der Berliner Bereitschaftspolizei beleidigt, angegriffen und durch Würgen am Hals verletzt haben soll. Nach der Befragung von sieben Zeugen und der Sichtung eines von einem Unbeteiligten gefilmten Handyvideos zeichnet sich jedoch ein deutlich anderes Bild…

Den ganzen Artikel gibt es auf sportswire.de.


HTHC vs. Zartcore

BFC DynamoTennis Borussia Berlin 2:0

Samstag, 06.11.2010, 13:30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Bei kaltem, grauen und nassem Wetter ging es um die Mittagszeit los vom Alexanderplatz per Tram zum Auswärtsspiel in H-Town. Ich mag ja den Flair von Plattenbausiedlungen und ich mag auch den Odem des Verfalls. Kein Wunder also, dass ich mich im Sportforum Hohenschönhausen gleich irgendwie wohl fühlte…

Das mit dem Wohlfühlen ging dann trotz aller meteorologischer Widrigkeiten erstaunlich lange gut. Die Heimfans benahmen sich eigentlich ziemlich gut von den ständigen und langweiligen „Lila-Weisse Westberliner Scheiße“-Rufen mal abgesehen. Allerdings war ich doch verwundert, wie ultraesque es in der Kurve des BFC zuging und das Liedgut erinnerte mich doch arg an ein gewisses Stadion in der Hamburger Innenstadt. Vielleicht haben sich ja doch noch einige daran erinnert oder erinnern lassen, dass TeBe und BFC sich damals als die Mauer noch stand eigentlich ganz gut verstanden haben, wohl auch nicht zuletzt aufgrund der Freundschaft zwischen Hertha und Union. Auf weinroter Seite wurde allerdings die meiste Zeit außerhalb des Nordwall-Blocks mehrheitlich geschwiegen, während die rund 150 TeBeler_innen durchaus gut am singen waren. Dazu noch Winkelemente. Hat TeBe jetzt etwa doch auch Ultras?

Auf dem Platz ging es die gesamte erste Hälfte munter hin und her mit Chancen auf beiden Seiten, wobei die größeren zweifelsfrei auf Seiten des BFC lagen. Bereits kurz nach Anpfiff hatte TeBe bei einem indirekten Freistoß aus rund zwanzig Metern mehr Glück als Verstand. So war dann auch das 1:0 durch Steiner in der 40. Minute auch alles andere als unverdient. Ein 1:1 wäre zu diesem Zeitpunkt jedoch eine bessere Repräsentation des Spielgeschehens gewesen. Das 2:0 in der 52. Minute und ebenfalls durch Steiner war dann aber doch ein wenig zu viel des Guten und auch ein wenig glücklich. Fast schon erstaunlich war es, dass TeBe bis zum Schluss trotz zwei Toren Rückstand kein bisschen aufsteckte und permanent versuchte nach vorne zu spielen, was aber leider nur bis zur Strafraumgrenze gelang. So war die beste Chance für die Lila-Weissen nach dem Seitenwechsel bezeichnenderweise ein Beinahe-Eigentor eines Abwehrakteurs des BFC.

Vom Ergebnis, dem Wetter aber auch der mir irgendwie unsympathisch alkoholisiert fußball-prolligen Atmosphäre im Block angenervt, bin ich dann nach dem Schlusspfiff sofort aus dem Stadion und rein in die Tram. Zurück nach Innerhalb des S-Bahn-Rings. Acht Euro ohne die Möglichkeit der Ermäßigung bezahlt für einen weiteren Tiefschlag gegen meine Fußballbegeisterung. Manchmal nervt die Scheiße echt…

Wir wissen, wo dein Auto steht und so…

FC St. PauliEintracht Frankfurt 1:3

Samstag, 30.10.2010, 15:30 Uhr, Millerntorstadion, Bundesliga (Männer)

Nachdem ich ja am Vortag schon bei der 100 Jahre St. Pauli-Ausstellung und im Backbord war und in Hamburg übernachtet hatte, konnte ich also am Samstag ganz ohne großen Reisestress das kommende Heimspiel ganz in Ruhe auf mich zukommen lassen und den Tag mit einem gemütlichen Spaziergang über den Flohmarkt am Schlachthof beginnen. Es ist auch mal wieder schön und interessant mitzuerleben, wie das Viertel sich an einem Heimspieltag Stück für Stück in braun-weiße Schale wirft.

Im Stadion mehr als pünktlich angekommen, war dann erstmal warten und schlechte Umsonstzeitung lesen angesagt. Zum Einlauf dann eine gigantische Blockfahne in der Südkurve und eine Kifferchoreo samt grünem Rauch aus der Ecke der Frankfurter_innen. St. Pauli brachte dazu noch eine Choreo zum Alerta-Netzwerk und mehrere zum bevorstehenden Castortransport.

Das Spiel selbst war dann noch keine fünf Minuten alt, da stand es plötzlich durch ein Murmeltor von Zambrano 1:0 für St. Pauli. Irgendwie konnte ich vor lauter Überraschung gar nicht wirklich jubeln und ich hatte das Gefühl, um mich herum ging es noch einigen ganz ähnlich. Doch leider sollte dieses Tor noch lange nicht der Gipfel der Kuriosität darstellen in einer Partie, die von genau zwei Männern bestimmt wurde: Eintrachtstürmer Theofanis Gekas und Schiedsrichter Marco Fritz. Kurz vor dem Pausenpfiff sah letzterer in einer sicher ungeschickten, aber keinesfalls schwerwiegenden Berührung Zambranos an ersterem ein elfmeterwürdiges Foul. Den daraus resultierenden Elfer verwandelte der „Gefoulte“ dann erwartungsgemäß sicher. Ich habe mir diese Szene x Mal auf youtube angesehen und ich kann nur zu dem Schluss kommen, dass Gekas diesen Elfmeter unbedingt haben wollte. Bei der Berührung, die es zweifelsfrei gab, gab es keinerlei Grund mit so viel Schwung zu Boden zu gehen, wie es Gekas tat. Natürlich kann mensch so einen Elfer geben. Verhältnismäßig ist es deswegen aber noch lange nicht. Dass die bis dahin weitgehend faire Partie zu einem ziemlich feindseligen Gehacke wurde, kann sich Fritz selbst ins Stammbuch schreiben, zumal seine fragwürdigen Regelauslegungen sich in der zweiten Hälfte häuften, so dass mensch durchaus hätte denken können, er habe auf Frankfurt gewettet, wenn er nicht teilweise auch Fehlentscheidungen zugunsten St. Paulis gepfiffen hätte. Als er dann Asamoah mit Gelb-Rot vom Platz stellte, war das Spiel gekippt. Das 2:1 und das 3:1 für die SGE waren bei allen Chancen der Braun-Weißen eigentlich nur noch Formsache. Frankfurt spielte die Überzahlsituation einfach clever aus. Das nennt sich wohl „Lehrgeld zahlen“… Das Ding ist jedoch, dass Asamoah sich die erste Gelbe abholen durfte, als er sich – in meinen Augen zu Recht – über die Elfmeterentscheidung beschwert hatte. Selbst Eintracht-Kapitän Ochs sprach laut Mopo von einem „geschenkten Elfer“. Zum Kotzen ist das…

Ein weiteres interessantes wie pikantes Detail ist dann natürlich noch, dass der Schiedsrichter eben jener Marco Fritz ist, der beim Spiel Duisburg gegen den FSV Frankfurt (auch Frankfurt!) im Januar diesen Jahres das spektakulärste Nicht-Tor seit Thomas Helmer als Treffer gewertet hatte. Manch Menschen sollten vielleicht doch lieber in eine Big Band gehen, wenn sie so gerne pfeifen…

100 Jahre St. Pauli – Die Ausstellung

Am drittletzten Tag der Ausstellung zum 100. Jubiläum des FC St. Pauli habe ich es dann doch noch nach Hamburg geschafft, um mir ein wenig Kultur und Bildung zu gönnen, und so fand ich mich nach einem Bummel am Hafen am späten Freitagnachmittag in den Containern vor der Südkurve des Millerntorstadions ein.

Der FC St. Pauli vermarktet sich ja gerne – und nicht vollkommen zu Unrecht – als eher unkonventioneller Verein. Passend dazu findet die Jubiläumsausstellung dann auch ihren Platz nicht etwa in irgendeinem Museum, sondern in einigen über- und nebeneinander gestapelten Containern auf dem Stadionvorplatz. Eine Idee, die nicht nur gut zum nahen Hafen passt, sondern auch farblich ausgesprochen gut zu der Backsteinfassade der neuen Südkurve passt. Die Ausstellung selbst besteht ganz grob sortiert aus drei Teilen. Im einleitenden Teil wird das Drumherum des Vereins wie Vereinsfarben, Trikots und Stadien thematisiert, bevor es im mittleren Teil um die Geschichte der Männerfußballabteilung geht. Der letzte Teil beschäftigt sich ganz ausführlich mit den Fans des Kiezclubs. In einem kleinen Seitenflügel kommen dann auch einige andere Abteilungen des Vereins zu Wort. Die Frauen- und Mädchenfußballabteilung wird mit einem Film vorgestellt, ein Blindenfußball kann ausprobiert werden und Sportgeräte des Boxclubs Barracuda dürfen bestaunt werden. Besonders Interessant an dieser Stelle fand ich das Detail, das die Rugbyabteilung Anfang der 1930er von zwei jüdischen Menschen gegründet wurde, nachdem diese aus ihrem vorherigen Verein in St. Georg aus Gründen der „Arisierung“ ausgeschlossen worden waren.

Im historischen Teil hätte ich persönlich mir mehr und intensivere Auseinandersetzung mit der NS-Zeit gewünscht. Es muss dazu einfach mehr zu sagen geben, als nur die paar Sätze, die dort zu lesen sind. Was ist zum Beispiel aus jenen jüdischen Gründern der Rugbyabteilung geworden? Wenn die Ausstellung dann mal hoffentlich in ein ordentliches Vereinsmuseum überführt wird, sollte hier dringend nachgebessert werden. Noch besser wäre natürlich eine neue und eigene Ausstellung zu dem Thema, wie es sie bei anderen Vereinen bereits gegeben hat. Gerade ein Verein, der in braunen Hemden spielt und sein Stadion eine halbe Ewigkeit nach einem Profiteur der NS-Rassenpolitik benannt hatte, steht hier eindeutig in der Pflicht.

Doch zurück in die Containerwelt und zum letzten Teil der Ausstellung, der in meinen Augen der am besten gelungene ist. Liebevoll werden zahlreiche Faninitiativen wie AFM, AGiM, USP oder auch der Fanladen vorgestellt und vielerlei Bestandteile der Fankultur wie Liedgut, Winkelelemente oder die mittlerweile legendären „St. Pauli-Fans gegen Rechts“-Aufkleber gewürdigt.

Ich bin wirklich froh, dass ich diese Ausstellung noch gesehen habe, bevor sie die Türen schließt. Im Winter würde ich jedoch auch niemandem raten, durch die kalten, zugigen Räumlichkeiten zu latschen. Auch so war ich mehr als glücklich darüber, dass ich meine dicke Jacke anbehalten hatte. Wer noch nicht da war, kann bzw. sollte noch am 06.11. zur Finisage mit allerlei Specials und Musik kommen.