Unentschieden im idyllischen Stadion gleich neben dem Knast

Berliner AK 07Tennis Borussia Berlin 0:0

Sonntag, 03.10.2010, 14:00 Uhr, Poststadion, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Zwanzig Jahre Anschluss der DDR an die BRD und das auch noch in der Bundeshauptstadt und ich habe überhaupt gar nichts davon gehört den ganzen Tag lang. Sehr angenehm… Sehr angenehm ist es auch, wenn der Weg zum Auswärtsspiel kürzer ist las zu einem Heimspiel. Ich würde sogar zu behaupten wagen, dass ich zu Fuß schneller im Poststadion wäre las per Bahn im Mommsenstadion. Mit dem Fahrrad und via Flohmarkt Arkonaplatz ging es bei herrlichstem Spätsommerwetter jedenfalls ausgesprochen fix. Überhaupt: Das Poststadion! Was für eine Perle der Stadionbaukunst und die überwucherten und von der Natur wiederangeeigneten Tribünen sind ein Traum. Falls der BAK mal tauschen will, ich hätte absolut gar nichts dagegen…

Auch gegen das Spiel war wenig zu haben. Obwohl hier der souveräne Spitzenreiter auf den Tabellenvorletzten traf, war das Spiel über die gesamte Distanz äußerst ausgeglichen. Überhaupt war das Spiel ganz und gar nicht die klare Sache, die die Tabellensituation hätte nahe legen können. Es glich vielmehr über weite Strecken einen echten Spitzenspiel. Beide Teams neutralisierten sich zwar weitgehend bereits im Mittelfeld, doch das auf durchaus ansehnliche Art und Weise und auf hohem Niveau. Vor allem in der ersten Hälfte kam TeBe auch zu etlichen Torchancen, während der BAK sich oft nur mit Querpässen in der eigenen Hälfte zu helfen wusste. Der Grund dafür war die vor allem im Vergleich zum Saisonbeginn sehr stabil stehende Hintermannschaft der Lila-Weißen. Wo in Torgelow oder selbst gegen Union noch Fehlpass, Querschläger und Stellungsfehler Standard waren, herrschten jetzt Übersicht, Forechecking und aggressives Zweikampfverhalten. Zwar kam TeBe in der zweiten Hälfte kaum noch gefährlich vor das gegnerische Tor, ein wirklich organisiertes Angriffsspiel konnte der BAK, der immerhin zu hause spielte, aber immer noch nicht aufziehen. Immer wieder erliefen die TeBeler sich Bälle oder unterbanden gegnerische Angriffsbemühungen schon weit vor dem Sechzehner. Und falls dann doch mal jemand durchkam, stand da immer noch der weitgehend äußerst sicher agierende Torhüter Filatow. Abgesehen von einigen Bällen, die hätte halten können, statt sie nur wegzufausten oder sie abklatschen zu lassen, gab es an seiner Leistung nicht das geringste auszusetzen. Wie auch, wenn die Null zum ersten Mal in dieser Saison bis zum Abpfiff steht? Dass es allerdings dazu kam, war am Ende auch ein wenig das Glück des Tüchtigen, denn der Kopfball, der bei der allerletzten Standardsituation nur Sekunden vor dem Abpfiff knapp am Lattenkreuz vorbeiging, hätte genauso gut auch drin sein können. Sicher sind mit diesem Ergebnis die Spieler und Anhänger_innen von TeBe zufriedener als diejenigen auf der Gegenseite, aber Fußball – und wer wüsste das besser als TeBe – ist halt kein Wunschkonzert.

Ein schönes Fußballspiel bei schönem Wetter in einem schönen Stadion. Blieben zum Schluss noch ein paar Fragen, die auch ich beim besten Willen nicht klären kann: 1. Wo hat der BAK bitteschön 800 Zuschauer_innen gezählt? 2. Hat der BAK wirklich nur diesen ein Fan mit seiner Trommel? Und schließlich 3. War das „Keine Gewalt gegen Polizisten“-Transparent zum Anpfiff wirklich ernst gemeint, leben die Verantwortlichen in Lummerland oder ist der BAK Ironieweltmeister? Wer solchen Schwachsinn verzapft – und das nur Tage nach den Polizeiausschreitungen bei Stuttgart 21 – gehört weder in die Ober- noch in die Regionalliga, sondern in den Quatsch Comedy Club…


2 Antworten auf „Unentschieden im idyllischen Stadion gleich neben dem Knast“


  1. 1 Maja 06. Oktober 2010 um 11:18 Uhr

    Vermutlich hat der BAK die 506 Dauerkartenbesitzer – die gerade an diesem sonnigen Herbstag keine Zeit hatten – zu den anwesenden Zuschauern addiert – anders kann die Zahl wohl kaum erklärt werden.
    Übrigens sind Polizisten auch nur Menschen – und Gewalt ist bekanntlich keine Lösung, allerdings diskutiert es sich schlecht, wenn das Gegenüber mit Tränengas und Knüppel agiert.

  2. 2 issegal 06. Oktober 2010 um 23:48 Uhr

    Warts mal ab wenn es gegen den BFC oder Unberlin geht. Da ist man froh über die Herren in grün. Ähnliche Probleme haben mich Sicherheit auch der BAK oder Türkiyem. Nicht dass ich Stuttgart relativieren will … es gibt eben öfters zwei Seiten.

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