Lila-Weiss² – Es kann nur eine_n geben!

Tennis Borussia BerlinSV Altlüdersdorf 2:1

Freitag, 24.09.2010, 19:00 Uhr, Mommsenstadion, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Dass kein Mensch weiß, wo genau eigentlich Altlüdersdorf liegt, ist eigentlich kein Wunder und niemandem vorzuwerfen, denn Altlüdersdorf auf einer Karte zu finde bedarf schon einiger Kniffe. Altlüdersdorf ist nämlich keine Stadt, sondern ein Ortsteil des Sechstausendseelennestes Gransee im Landkreis Oberhavel ungefähr auf halber Strecke zwischen Berlin und Mecklenburger Seenplatte. Doch da der Verein des selbsternannten Gallischen Dorfes in lila und weiß spielt, ist es eigentlich auch egal wo genau sie herkommen. Vereine mit diesen Farben sind im Mommsenstadion fast immer willkommen. Es sei denn sie kommen aus Neumünster, aber das ist eine andere Geschichte…

Was an diesem Freitagabend zählte, war auf‘m Platz und da war die Ausgangsituation klar: Wenn TeBe auch gegen den Aufsteiger aus Brandenburg nicht endlich den ersten Dreier einfahren sollte, sähe es ganz, ganz düster aus am Eichkamp. Es gibt Spiele, die musste einfach gewinnen, wenn du die Klasse halten willst, und das hier ist eines davon. Damit das auch was wird, waren Vereinsoffizielle noch den halben Tag unterwegs, um die Spielberechtigung für Neuzugang Cemil Mengi klar zu machen. Ein Unterfangen, dass ich im Laufe des Spieles voll und ganz auszahlte, denn Mengi bildete zusammen mit Kapitän Kalkan und Tokgöz so etwas wie den Motor des TeBe-Spiels. Und dieser Motor lief wie geschmiert, vielleicht zum allerersten Mal in dieser Saison…

Schon in der ersten Hälfte gab es zahlreiche Torchancen für die Borussia, wobei die größte sicherlich der leider vergebene Foulelfmeter von Kalkan war. Zu dem Elfmeter war es gekommen, nachdem der Altlüdersdorfer Keeper Begzadic einen Borussen, der schon an ihm vorbei war und frei vor dem Tor stand, von den Beinen holte. Weshalb Schiedsrichter Enrico Barsch aus Rostock ihm dafür nur Gelb zeigte, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben. Wahrscheinlich sah es für ihn so aus, als hätte Begzadic noch eine Möglichkeit gehabt an den Ball zu kommen. Hatte er nicht…

So blieb es bis zum Halbzeitpfiff mehr oder weniger ein Spiel auf ein Tor. Nur bei Standards konnten die Gäste überhaupt mal vor das Tor von Filatow kommen. Nach dem Seitenwechsel gestaltete sich das Spiel dann etwas ausgeglichener, wobei TeBe immer noch das klar bessere Team war. Der Spielverlauf wurde jedoch völlig auf den Kopf gestellt, als in der 61. Minute Abou Condé den Ball auf beinahe unerklärliche Weise ins eigene Tor bugsierte. Wie das passieren konnte, habe ich ehrlich gesagt bis heute nicht verstanden. Am wahrscheinlichsten erscheint mir ein völlig missglückter Befreiungsschlag. Doch der auf das Tor folgende Jubel der paar Dutzend mitgereisten Altlüdersdorfer_innen war noch gar nicht ganz verklungen, da erzielte Kim auf der Gegenseite bereits den verdienten Ausgleich (62. Minute). Jetzt war es der Rest der knapp vierhundert Zuschauer_innen, der jubelte, und der Jubel war noch viel, viel größer, als Tokgöz kurz vor Schluss sogar noch den heiß ersehnten Siegtreffer machte (87. Minute). Jetzt gab es im E-Block kein Halten mehr und auch die Gäste von der SpVgg Bayreuth waren sicher zufrieden, dass sie sich gerade dieses Spiel für ihren Besuch ausgesucht hatten. Nach dem Abpfiff ließ dann endlich die Anspannung nach und wich der Gewissheit, dass TeBe tatsächlich den ersten Saisonsieg eingefahren hatte.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass das Spiel nach vorne mittlerweile sehr gut läuft bei Tennis Borussia, während die Abwehr aber leider immer noch hin und wieder einem Hühnerhaufen gleicht. Condés Eigentor war nicht der einzige Stockfehler des Spiel. Er und Touré haben beide je zweimal ganz, ganz schlecht ausgesehen. Da besteht dringender Nachholbedarf. Trotzdem hatte ich Freitag das erste Mal mehr als nur eine vage Ahnung des Gefühls, dass es etwas werden könnte mit der Mission Klassenerhalt. Und sofern TeBe am Ende drinne bleibt, können auch die anderen Lila-Weissen aus Altlüdersdorf gerne den Klassenerhalt feiern, denn in dieser Liga gibt es doch bei weitem unsympathischere Vereine. Ihr wisst schon, wen ich meine…