Unioner greifen nach dem kleinen Derby TeBe-Fans an

Tennis Borussia Berlin1. FC Union Berlin II 0:2

Freitag, 10.09.2010, 19:30 Uhr, Momsenstadion, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Es gibt Situationen, da muss der Fußball beiseite treten und Wichtigerem Platz machen. Der heutige Abend ist eine solche Situation. TeBe hat gut gespielt, aber nach zwei frühen Toren 0:2 verloren, genau wie Unions Erste fast zeitgleich in Paderborn. Die TeBefans hatten eine nette, kleine Choreographie, brandneues Liedgut und Gäste vom Roten Stern Leipzig am Start. Union II war mit ein paar hundert Leuten, aber nicht gerade lautstark vor Ort. Soweit zum Fußball…

Das Wichtige geschah nach dem Spiel, nachdem einige TeBe-Nachzügler_innen am S-Bahnhof Messe Süd in die S3 Richtung Erkner stiegen und dort ohne jede Polizeibegleitung von einer von Station zu Station steigenden Zahl von Unionern bedrängt wurden. Von einem der Unioner per Handy koordiniert sammelten sich mehr als zwanzig Unioner in dem Waggon der rund zwei Handvoll TeBeler_innen. Spätestens als am S-Bahnhof Charlottenburg auch ein Unioner den Waggon betrat, der zuvor im Stadion durch Rufe wie „Schwuchtel“ und „Judensau“ in Richtung auf TeBe-Fans aufgefallen war, wurde den Anwesenden klar, dass sie sich in allerhöchster Gefahr befanden, da die hier versammelten Unioner in einem links-alternativen, Westberliner Verein mit jüdischer Tradition mit ziemlicher Sicherheit ein Symbol für so ziemlich alles, was sie hassen, sehen mussten, falls sie nicht eh einfach nur auf „einfache Beute“ aus waren…

Am nächsten Bahnhof, dem S-Bahnhof Savignyplatz, verließen alle TeBeler_innen mehr oder weniger fluchtartig den Zug, während die Unioner im selben Augenblick begannen sie mit Faustschlägen, Fußtritten und Flaschenwürfen anzugreifen und über den Bahnsteig aus dem Bahnhof zu jagen, während sie unter anderem „Lila-Weisse Westberliner Scheiße“ grölten. Die Rund ein Dutzend TeBeler_innen, unter denen sich auch zwei Kinder befanden, konnten sich zum Glück in die direkt am Bahnhof gelegene Cocktailbar Zeitlos retten, deren Personal sich teilweise schützend zwischen die TeBeler_innen im Laden und die angreifenden und teilweise mit Stühlen fuchtelnden Unioner draußen stellte und die Polizei alarmierte. Für diesen Akt der Zivilcourage gebührt den Zeitlos-Mitarbeiter_innen großer Dank!

Als die Polizei anrückte, waren die Unioner selbstverständlich schon längst über alle Berge und es blieb ihnen nur Anzeige gegen Unbekannt aufzunehmen und eine Ermittlung wegen schweren Landfriedensbruchs in die Wege zu leiten. Die teilweise emotional sichtlich mitgenommenen TeBeler_innen machten sich daraufhin irgendwann kollektiv zu Fuß auf den Weg zur nächsten U-Bahnhaltestelle, um bloß nicht noch einmal an den Ort des Geschehens zurückkehren zu müssen. Dass bei dem feigen Angriff niemand ernstlich verletzt wurde und nur einige Wenige leichte Blessuren davontrugen, grenzt an ein Wunder.

Fußball in Ostdeutschland. Es ist zum Kotzen…

An all die netten und korrekten Unioner_innen, die es ja auch gibt: Wann macht ihr in Eurer Kurve endlich mal Klarschiff und schmeißt dass rechtsoffene Hooltragesocks in die Wuhle?!


14 Antworten auf „Unioner greifen nach dem kleinen Derby TeBe-Fans an“


  1. 1 Ludwig Wittgenstein 11. September 2010 um 5:07 Uhr

    War vorhin im Krankenhaus und es scheint nichts schlimmeres zu sein, ein bisschen Blut im Urin ist zu verkraften… Morgen nochmal zur Nachuntersuchung, aber bis zum nächsten Spiel sollte das alles wieder fit sein.

    Hoffen, dass sich alle schnellstmöglich wieder von diesem feigen Überfall erholen.

  2. 2 Lukas 11. September 2010 um 11:54 Uhr

    Meine Meinung zu Spiel:
    Erschreckend, dass wir keine Chance hatten, gegen eine Mannschaft, die absoluten Langweilerfußball gespielt hat. Die Tore haben wir leider durch einfache Doppelpässe kassiert, unsere Abwehr macht mir daher die größten Sorgen. Unsere 22 wieder einmal mit technischen Fehlern bei der Ballannahme, als auch der Junge mit den gelben Schuhen auf der linken Abwehrseite einfach viel zu langsam ist. Bezeichnend auch die Wadenkrämpfe von Tokgöz in der 76. Minute zeigen den Fitnesszustand unserer Akteure auf und das in einem eher lahmen Spiel. Wenn nicht ein Wunder geschieht und die Mannschaft nicht qualitativ auf mindestens 7 Positionen verstärkt wird, dann sehe ich uns zum Saisonende mit 7-9 Punkten am Tabellenende. TeBe besitzt leider kein Oberliga-Format. Schade.

    Gestern null Chance gegen eine Truppe die den aus TeBe Zeiten bekannten Gries’schen 08/15 Fußball gespielt hat.

  3. 3 Beobachter 13. September 2010 um 15:46 Uhr

    Allen denen die Verletzungen erlitten haben beste Genesung und denen die mit einigen Schrecken diesen feigen Angriff zum Glück von noch Babyholligans erleben mussten ein tiefes Bedauern. Es waren Idioten mit den Farben leider von Union. Selbst als leidenschaftlicher Unioner waren mir die TB‘ler allein äußerlich um einiges sympatischer als diese hässlichen Rotweißen, die aber eine Minderheit darstellen und hoffentlich bald gegen Null irgendwann tendieren werden.
    Eisern Berlin

  4. 4 JackW. 14. September 2010 um 20:04 Uhr

    Und die Nase von Buratino wird länger und länger und länger

  5. 5 Alex 15. September 2010 um 3:33 Uhr

    Leider greifen unionfaninterne Mechanismen zur Zerschlagung solcher Minderheiten zwar in der Alten Försterei und dem dortigen Umfeld, nicht jedoch bei Auswärtsspielen der Zweeten.
    Vielleicht ist hier ein Betätigungsfeld für SEON (schöner eisern ohne Nazis) zu sehen. Wenn jemand oben genannte Ausdrücke verwendet, ist eine Zuordnung ins rechtsradikale Spektrum nicht weit her geholt. Dahingehend müssen sowieso alle Gewaltdelikte differenziert werden. Ohne andere Vorfälle bagatellisieren zu wollen, sind diese Art von Vorkommnissen die Ätzendsten. Ich hoffe wir Unioner kriegen eine angemessene Entschuldigung hin.

  6. 6 Ludwig Wittgenstein 15. September 2010 um 12:45 Uhr

    Burattion hätte bestimmte keine Gruppe mit Kindern attackiert und dabei in Kauf genommen, dass Menschen verletzt werden…

  7. 7 Chris 15. September 2010 um 18:29 Uhr

    Einerseits erfreulich daß hier Unioner ihr Bedauern äussern, aber woran es u.a. liegt, daß rechte Hools/Ultras/Scheißhaufen nicht konsequent ausgeschlossen werden ist die Tatsache, daß diese Typen und ihre Taten verharmlost werden! Wer Bezeichnungen wie „Babyhools“ benutzt, unterstellt daß diese Drecksäcke zu jung sind, um zu wissen was sie tun. Die waren den Beschreibungen nach wohl keine Babys und keine „Teenies“!!!Rechten Abschaum die Rote Karte zeigen-egal wie alt sie sind!

  8. 8 Chris 15. September 2010 um 18:47 Uhr

    Offensichtlich war mein erster Beitrag nicht korrekt oder nicht weitergeleitet… nun ein 2. Versuch: Erfreulich daß hier Unioner diesen feigen Angriff bedauern. Aber: rechte Hools/“Ultras“ sind keine „Babyhooligans“. Wer diese Typen so bezeichnet, unterstellt daß diese für ihre Taten nicht voll verantwortlich sind, da sie ja eben „zu jung“ und/oder „zu dumm“ sind, um zu wissen was sie tun… . Den Beschreibungen nach waren es eben keine „Babys“ oder 12jährige!

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