Für den Erhalt der Fankultur demonstrieren?

Am 09.10.2010 soll in Berlin eine Demonstration für den „Erhalt der Fankultur“ stattfinden. Neben diversen Fangruppen stehen mit BAFF, Pro Fans und Unsere Kurve auch drei große Fanbündnisse hinter der Demonstration. Ein Blick in und um die Stadien der Republik lässt dieses Anliegen sehr wohl äußerst dringlich erscheinen. Überwachungskameras und Polizei überall, Drangsalierung von Auswärtsfans bis hin zu krasser Reduzierung des Kartenkontingents (wie beim Spiel St. Pauli – Hansa Rostock letzte Saison) und Stadionverbot auf bloßen Verdacht hin liefern ebenso Anlass zu legitimer Aufregung wie die immer stärkere Zerstückelung der Spieltage, die zu immer fanunfreundlicheren Anstosszeiten führt. Die gerade im Vorfeld der möglichen Regionalligareform wieder hochkochende Aufregung über die vielen Reserveteams in den nächsthöheren Ligen unterhalb der Zweiten Bundesliga und die generell schwer zu wuppenden finanziellen Anforderungen der Regionalligen, der immer wieder auch recht prominente Vereine wie zuletzt Tennis Borussia Berlin, Rot-Weiss Essen oder der SV Waldhof Mannheim zum Opfer fallen, tun ihr Übriges zum generellen Unwohlsein der Fußballfans in diesem Land. Grund genug also, um die Wut auch mal nicht nur in die Kurven, sondern auch auf die Straße zu tragen. Wenn mensch jedoch etwas näher hinsieht, lässt sich erkennen, dass auch hier lange nicht alles Gold ist. Ein Blick auf die Unterzeichner_innen des Aufrufs genügt, um einer_m einen Schauer über den Rücken zu jagen.

Dass das Logo von Unsere Kurve schwarz-rot-gelb ist, mag vielleicht keine böse Absicht sein, ist aber dennoch gerade in Verbindung mit dem Wort „unsere“ echt widerlich. Wirklich schlimm wird es aber erst auf Fangruppierungsebene. Da wären zum einen die Beckumer Jungs, die sich in ihrem Selbstverständnis explizit gegen Politik im Stadion aussprechen und allen Ernstes extra darauf hinweisen, dass die „Rot-Weissen“ aus Ahlen“ ihre „Feinde“ sind. Auch Collettivo Wuppertal stellen fest: „Mit Politik haben wir nichts am Hut.“ Mit an Bord sind auch die Harlekins von Hertha BSC, die in einer Erklärung vom 04.06.2010 sogar zugeben, dass einige von ihnen zumindest indirekt am Überfall auf den TeBe-Truck beim Karneval der Kulturen in Berlin-Kreuzberg beteiligt waren. Überhaupt fällt auf, dass viele der Gruppen eine auffallende Offenheit für „traditionelle Rivalitäten“ und Fanfeindschaften pflegen. Ein Klicken durch die jeweiligen Fotogalerien zeigt neben schönen Fahnen, Doppelhaltern und Choreographien auch immer wieder vor allem eines: Horden junger, weißer Männer (gerne auch Oberkörper frei) beim Aufgehen in der Masse. Dass sich gleich mehrere der aufrufenden Gruppen Namen mit explizit männlichen Namensteilen wie „Boyz“, „Brothers“ oder „Jungs“ geben passt da wie Arsch auf Eimer. Was ist also diese Fankultur zu erhalten gilt?

Das allermeiste, was im Aufruf zu der Demonstration geschrieben wird, ist sehr richtig oder zumindest nicht weit entfernt von der Wahrheit. Was jedoch fast vollkommen fehlt, ist die Selbstreflektion, die Beschäftigung mit den Ursachen all der Repression. Nirgendwo ein ehrliches Wort davon, dass viele – wenn auch bei weitem nicht alle – Stadionverbote vollkommen zurecht verhängt werden, weil sie sich eben gegen wirkliche Gewalttäter_innen richten, die aus bescheuerten Motivationen heraus Menschen, die einfach nur andere Fußballteams als sie selbst gut finden, angreifen. Auch die starke Polizeipräsenz stellt bei vielen Spielen keine Repression, sondern eine traurige Notwendigkeit dar. Wenn in Rostock oder Magdeburg sich nicht Hunderte Cops zwischen die heimischen Fans und jene des gastierenden FC St. Pauli gestellt hätten, wären beide Seiten mit Dutzenden Schwerverletzten wahrscheinlich noch gut bedient gewesen. Ähnliches gilt für jedes Aufeinandertreffen von TeBe und BFC Dynamo, Nürnberg und Bayern, Schalke und BVB, Bremen und dem HSV, Lok Leipzig und Dynamo Dresden. Wer hier von bösen Polizist_innen und guten Fans redet, verschließt die Augen vor der Realität. Der Kern des Problems sind nicht ein repressiver Polizeiapparat (den es zweifelsohne gibt) oder irgendeine Verschwörung gegen Fußballfans (die es zweifelsohne nicht gibt), sondern die Tatsache, dass in fast jedem größeren Stadion des Landes gruppenweise junge Männer rumhängen, die bereit sind sich „für ihren Verein“ zu prügeln. Die Polizist_innen der Bereitschaftshundertschaften würden sicher tausendmal lieber am Wochenende frei oder nur Bereitschaft haben, als immer und immer wieder stumpf besoffene, identitär lokalpatriotische Männerhorden auf dem Weg zwischen Bahnhof und Stadion davon abzuhalten allen, die andersfarbige Schals tragen auf’s Maul zu hauen. DAS ist leider auch Teil der gegenwärtigen Fankultur!

Ein Demoaufruf, der sich nicht explizit zu diesem Problem positioniert, sondern sich mit einem einzigen floskelhaften Satz zum Thema begnügt und der von Gruppen unterzeichnet wird, die Teil dieses Problems sind, muss notwendigerweise zu kurz greifen. Auch die Kritik an den zugegebenermaßen teilweise wirklich beschissenen Anstosszeiten lässt außer Acht, dass der Aufstieg der allgegenwärtigen Fußballliveübertragungen in ursächlichem Zusammenhang mit dem Hooliganproblem der 1980er Jahre steht. Weil damals viele Stadien für alle nicht gewaltaffinen Fußballfans immer unattraktiver wurden, entstand ja gerade erst der Markt von Leuten, die sich das ganze lieber zu Hause vom sicheren und gemütlichen Sofa aus ansehen wollten. Im Übrigen sind Fernsehübertragungen ja nichts prinzipiell Schlechtes. All diejenigen, die nicht genug Geld haben, ihren Leib- und Magenverein bei jedem Spiel live zu supporten, werden sicher genau wie ich glücklich darüber sein, dass sie so wenigstens in einer Kneipe ihrer Wahl zusammen mit Gleichgesinnten die Spiele ihres Teams verfolgen können. Dieses gemeinsame Fußballgucken in der Kneipe, im Pub oder im Clubheim ist eben auch Teil des Fußballkultur und nicht der unwichtigste.

Natürlich muss sich etwas ändern an der Fußballlandschaft. Natürlich muss Polizeigewalt endlich geahndet werden (wozu eine individuelle Kennzeichnung der Beamt_innen sicher beitragen würde). Natürlich sollten Fanbelange im Fußball keinen nachrangigen Status haben. Natürlich sollten Fans das Recht haben jede Form von Fahnen oder Transparenten (sofern sie nicht menschenfeindlich sind) verwenden dürfen. Aber auch gerade hierzu wird sich in dem Aufruf nur unzureichend positioniert, wahrscheinlich weil mensch es sich sonst mit den vielen ach so unpolitischen Fangruppen verscherzen würde. Für mich persönlich ist es ein Problem, wenn bei Fußballspielen keine politischen Statements wie Antifafahnen, Transpis mit politischen Inhalten oder auch „Good Night White Pride“-T-Shirts erlaubt sind. Wenn ich zu einem Fußballspiel gehe, gebe ich doch nicht mein politisches Bewusstsein an der Kasse ab. Und wenn wie an diesem Samstag beim Spiel von TeBe in Torgelow zur gleichen Zeit Nazis durch Dortmund und Islamist_innen durch Berlin marschieren, dann möchte ich auch das Recht haben, dazu meine Meinung zu äußern. Im Stadion genauso wie außerhalb des Stadions. Wer solche Meinungen zensiert mit dem Verweis darauf, dass Fußball und Politik nichts miteinander zu tun hätten oder haben sollten, der_die handelt damit explizit politisch! Und zwar im Sinne einer antiemanzipatorischen, dem Weg zu einer freieren Gesellschaft entgegenstehenden Sinne…

Wer identitäre Ultragruppen mit Nachwuchsorganisationen, oftmals hierarchischen Strukturen und fast genauso oft latenter bis expliziter Rechtsoffenheit zu Verhandlungspartner_innen in einer Diskussion um Fanbelange macht, macht einen der Böcke zum Gärtner. Ultra ist nicht die ganze Wahrheit. Die Mehrheit des Fans tickt anders und hat dementsprechend auch weit weniger Probleme mit Polizei und Repression. Viele von ihnen werden sogar dankbar sein, dass die Polizeibeamt_innen für sie die Köpfe hinhalten, wenn mal wieder „paramilitärische Supporteinheiten“ auf sie zustürmen. Die allermeisten Polizist_innen stehen mir wahrscheinlich auch sowohl politisch wie menschlich näher als das Nazigesocks, das in vielen Kurven zwischen Cottbus und Dortmund geduldet wird. Fankultur an sich ist nichts Erhaltenswertes. Vielleicht wäre es sinnvoller für eine andere Fankultur zu demonstrieren, als für den Erhalt einer Fankultur, an der viel zu vieles Scheiße ist…

Für eine Fankultur ohne Gewalt, identitäres Rumgeprolle und Mackertum!
Für pro-queere, antifaschistische Kurven, in denen und von denen niemand diskriminiert wird!
Für Auswärtsfahrten, die keinen Polizeischutz brauchen!
Für eine Fankultur, für die zu demonstrieren, sich lohnen würde!


5 Antworten auf „Für den Erhalt der Fankultur demonstrieren?“


  1. 1 Georg 02. September 2010 um 11:35 Uhr

    Also, ist ja alles schön und gut, aber wer solche Texte fabriziert, der muss sich irgendwie auch nicht wundern, dass er nicht ganz ernstgenommen wird. Vielleicht ist das aber auch einfach das Schicksal aller Bemühungen, den Fußball und seine (erhaltenswerte!) Fankultur bis ins letzte politisch zu analysieren und „korrekt“ zu machen. Könnte ich auch mit leben. Gruß aus St. Pauli.

  2. 2 Jan 02. September 2010 um 22:28 Uhr

    Naja manche Kritik mag stimmen. Vieleicht auch bei vielen Vereinen, aber wer z.B. Ultra pauschal über einen Kamm schert, oder gar Ultra in die rechtsoffene Ecke stellt ist in meinen Augen auch nicht wirklich dabei sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
    Mit Sicherheit gibt es rechtsoffene Ultragruppen, oder solche die sich soo unpolitisch verstehen, dass sie eben auch rechte Leute bei sich dulden. Aber erstens ist das pauschal nicht zu sagen und zweitens sind die Ultragedanken eben nicht unpolitisch und rechtsoffen.
    Ultra ist bedingungsloser Support für den eigenen Verein. Egal wo und wie der gerade spielt, aber eben auch sich in die Belange einmischen was den Verein, die Fanszene angeht. Also sich einmischen, wenn Fussballfans ausgenutzt werden, wenn es repressionen gibt, wenn es immer mehr beschnitten wird, was Fans dürfen ( Fahnenstöcke werden nachgemessen oder Fahnen komplett verboten, Alkoholverbot bei fast allen Hochklassigen Auswärtsfahrten, Auswärtsblöcke, die oft so mies gebaut und angeordnet sind, das man fast nichts sieht und eingefercht ist zu horrenden Preisen Teilweise. Polizeieskorte zum stadion und zurück, das Autofahrer, die individuell anreisen oft kämpfen müssen nicht in den Zug gesetzt zu werden. Um nur ein paar Beispiele zu nenne. Aber auch die zerstückeluing der Anstoßzeiten, Fanunfreundliche Anstoßzeiten für die arbeitende Bevölkerung. Die lauten Stimmungsvollen Kurven der Ultras werden vom Fernsehen geliebt und dementsprechend verkauft, aber die Leute darin will man oft am liebsten loswerden.
    Natürlich gibt es Sachen, die auch bei Fussballfans kritisiert werden können, gibt es Gewalt. Aber diese hat es schon immer gegeben und wird es noch lange geben, solange in der Gesellschaft der Grubndstein für Aggressives Verhalten gelegt wird. Damit will ich sie nicht gut heißen. wenn ich aber an die Schlachten im Fussball der 80er und 90er denke hat sich da schon vieles verbessert. Auch wenn a noch Ausbaumöglichkeiten sind, was sicher keiner Abstreitet.
    Zum Thema Politik: Es gibt Ultragruppen die sich vernetzt haben, die Antirassitische Veranstaltungen und Tuniere organisieren, die gegenseitig Besuche bei Spielen machen…. Nicht immer und überall ist Fussballfan gleich unpolitisch oder rechtsoffen. Ich denke wenn man in bestimmten vereinen und Gegenden rechtsoffenes dominierend hat, so gibts auch vereine, bei denen klar gegen rassismus, homophobie und sexismus vorgegangen wird.
    Fankultur ist es nicht nur vor der Glotze zu konsumieren, sondern dabei zu sein im Stadion, immer und überall und sein Team nach seiner Art zu unterstützen. Laut und bunt oder spielbezogen. Fussball findet im Stadion statt und nicht vor der Glotze.
    Außerdem, je mehr man Fussball in die Ecke Gewalttäter und rechts steckt um so mehr hat man die Gefahr, dass dies auf fruchtbaren Boden fällt, es diese Leute anzieht.
    Um Fussball für alle interessant zu halten und bezahlbar, um jeden ermöglichen zu einem Spiel zu gehen muss halt für eine Akzeptanz der fans gekämpft werden. Nur so ist auch ein Grundstein gelegt, damit aktive fangruppen etwas gegen Rassismus, Homophobie und Sexismus tun können. Denn wenn sie eh an den Rand gedrängt werden haben sie kaum Möglichkeiten etwas zu erreichen mit ihren Anliegen.

    Und jetzt kommt mir nicht mit solchen schwachsinnsaktionen wie Bannerklau oder Wald und wiesenschlägereien. das sind erstens keine Sachen um die es beim Erhalt der Fankultur geht, zumal ich die nicht einmal zu Fankultur zählen würde. Aber das ist immer die Frage, was man erwartet von Fussballfans und wie weit sich Leute darauf einlassen können.

    Ach ja und Thema Glotze. Nichts dagegen das Fussball im Fernsehen kommt. Aber muss sich die Anstoßzeit nach der guten Sendezeit richten? Oder sollte man nicht auch in der Kneipe sich zeitlich nach dem Anstoß im STadion richten?
    Und sicher bin ich auch nicht gut auf alle der hier genannten unterstützer zu sprechen. Aber es gibt eben auch gemeinsam wichtige Themen, die jeden etwas angehen und die man nur in der Masse erreicht. Eben damit Fussball bezahlbar für jeden bleibt, damit es bunte Kurven bleiben können, in denen Menschlichkeit herrschen können. Je mehr Fussball im Stadion ins Abseits gerückt wird und pauschal verurteilt und kriminalisiert wird, um so mehr bietet sich so etwas als Sammelbecken eben für gewaltorientiertes Publikum. Die Frage ist halt, was versteht jeder einzelne unter Fankultur?
    Für mich bedeutet es weniger pauschal verurteilen und ausgrenzen oderrepressiv zu behandeln, Belange der Fans, welche ihren verein aktiv unterstützen zu beachten und den Dialog zu suchen. Eigentlich geht es ja auch drum sich sachen wieder zu erkämpfen, welche immer weiter abgebaut werden.
    Dabei gehört es sich aber eben auch ganz klar nicht nur bei einzelnen Vereinen gegen Rassismus, Homophobie und Sexismus zu kämpfen. Dabei kann ich damit leben, wenn Politik aus den Stadien gehalten werden soll, solange ein Grundsatz dabei besteht und der ist Rassismus, Homophobie und Sexismus nicht zu dulden. Andererseits aber auch bei aktiven Szenen, die sich in dieser Art engagieren Auch Banner, Fahnen und so weiter mit solidarischen, Antifaschistischen usw. Botschaften zuzulassen. In jedem Stadion, also auch auswärts in Chemnitz, Rostock oder sonstwo. Und es gibt ja auch solche Netzwerke wie alerta! Das alles gehört auch zu Fankultur.

  3. 3 Lucas 06. September 2010 um 0:23 Uhr

    Wirklich „widerlich“,wenn ich das Wort aus dem Kontext, auf den ich jetzt eingehen werde, übernehmen darf, ist, dass die Interessengemeinschaft „Unsere Kurve“, in der sich Fanvertreter diverser Fan-Dachverbände aus ganz Deutschland befinden, die sich ganz klar gegen Rassismus aussprechen, mit eben diesem Begriff in Verbindung gebracht wird. Hier wird ein Vergleich gezogen, der keinesfalls unkommentiert bleiben darf.
    Nicht nur diese sehr seriöse Interessengemeinschaft wird auf diesem Wege extremisiert. Auch diverse Fangruppierung werden durch den Autor mit Sexismus und Rechtsextrimismus in Verbindung gebracht. Dass der Fußball eher männliche Zuschauer anlockt, sollte jedem klar sein. Frauen finden sich jedoch in jeder Fanszene. Grade beim Fußball ist es doch das schöne, dass es egal ist, wo du herkommst, ob du männlich oder weiblich bist oder ob du eine schiefe Nase hast. Dieser Grundeinstellung folgen die als Negativ-Beispiel genannten Gruppen in vollem Maße.
    Im weiteren Verlauf des Artikels wird kritisiert, dass einige Gruppen keine politische Meinung besitzen. Es ist meiner Meinung nach falsch Fangruppierungen zu kritisieren, weil sie Politik und Fußball trennen. Zum Grundverständnis her halber: Fanpolitische Themen haben für die genannten Gruppen
    einen hohen Stellenwert. Eine politische Meinung zu bilden, ausgenommen der Fanpolitik, da diese jeden Fan betrifft und die Meinungen innerhalb der Szenen meißt übereinstimmen, ist in vielen Szenen unmöglich. Innerhalb der Gruppen spalten sich die politischen Meinungen, da die Mitglieder aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten kommen. So ist es für viele Gruppen unmöglich eine politische Gesamteinstellung zu bilden. Aber auch hier darf man nicht alle Ultragruppierung über einen Kamm scheren.
    „Wer identitäre Ultragruppen mit Nachwuchsorganisationen […] zu Verhandlungspartner_innen in einer Diskussion um Fanbelange macht, macht einen der Böcke zum Gärtner.“
    Natürlich ist Selbstreflexion eine der Grundvoraussetzungen für ein fruchtbares Gespräch. Auf der anderes Seite des Tisches sitzen Leute, die aus fanpolitischer Sicht ebenfalls Fehler begangen haben. Diese sind genauso gefordert ihr Verhalten selbstreflexiv zu analysieren. Erst wenn beide Parteien Fehler einsehen, können Lösungen gefunden werden. Sich gegenseitig „den Bock“ zuzuschieben, wie es der Autor praktiziert, ist kontraproduktiv.

  4. 4 fussballvonlinks 06. September 2010 um 13:32 Uhr

    @ lucas: wir legen da offenbar verschiedene maßstäbe an. was ich an „unsere kurve“ kritisierte war nur die verwendung der deutschen nationalfarben (gesteigert durch die verbindung zu einem wie auch immer gearteten „wir“). ich bin gegen jeden positiven bezug auf volk und nation, weil volk und nation zwangskollektive sind, die abgeschafft gehören.

    und natürlich bin ich gegen „unpolitisch“, weil eine positionierung als „unpolitisch“ bedeutet, sich nicht gegen die scheiße da draußen zu positionieren, was wiederum bedeutet, sich automatisch für sie positionieren. es geht hier nicht um „gegen nazis“ oder „atomkraft nein danke“. es geht um radikale kritik der herrschenden verhältnisse. es geht ums ganze!

    und wer da nicht mitmacht, steht zumindest für den moment auf der anderen seite der diskursiven barrikade…

  1. 1 Fankultur verteidigen!? Gemeinsam demonstrieren? « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 08. Oktober 2010 um 13:23 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.