Red Bull verleiht Prügel!

Im Großraum Halle-Leipzig hat es mal wieder eine schöne Aktion gegeben. Die fiktive Ultragruppe von RB Leipzig hat schwer bewaffnet das Stadion des Hallischen FC geentert und wild gepost. Zur Belohnung gibt’s ein sehr gelungenes Interview in der Jungle World, das hier in einigen Auszügen zitiert werden soll:

Die Kampagne vereint so verfeindete Fanszenen wie die eher linken Anhänger der BSG Chemie Leipzig und die – vorsichtig formuliert – nach rechts ziemlich offenen Fans des 1. FC Lokomotive Leipzig sowie des Halleschen FC. Was die Ressentiments gegen RB Leipzig so widerwärtig macht, ist vor allem der gegen diesen Verein gerichtete Heuschrecken-Vergleich und die dazu gehörige Rhetorik…

Sieht man sich außerdem das klassische Publikum etwa des HFC oder von Lok Leipzig an, so braucht es einem nicht leid zu tun, wenn es sich auf ewig Spiele in Auerbach oder Meuselwitz anschauen muss…

… zumal wir die friedliche, familientaugliche Atmosphäre bei RB Leipzig sehr viel angenehmer finden als die wöchentlichen Räuber-und-Gendarm-Spiele im Umfeld der »Traditionsvereine«. Und dass Kommerz und Fußball nichts miteinander zu tun haben, war vielleicht noch in den dreißiger Jahren so…

Das wären Gründe dafür, privat und unorganisiert ins Stadion zu gehen, ganz ohne schwarze Kapuzenjacken, Jugendorganisationen, Capos und Banner mit Gruppennamen – und ohne die Angst, von anderen Ultragruppen überfallen und ausgeraubt zu werden. Leidenschaft als Programm und das »Verteidigen der eigenen Farben und des eigenes Reviers« finden wir nicht besonders ansprechend…

Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer, dass ich die Idee mit „Für den modernen Fußball“ als Erste_r hatte! ;)

rbl


5 Antworten auf „Red Bull verleiht Prügel!“


  1. 1 keny 31. August 2010 um 18:17 Uhr

    Sorry, aber die Vorwürfe sind doch völlig haltlos. Bsp. Heuschrecken: „Damit soll verdeutlicht werden, dass sich hier ein böser ausländischer Konzern aus reiner Profitgier dem Sport zuwendet und so den »bodenständigen«, »ehrlichen« deutschen Fußball bedroht.“, meinen die URBL. Dabei war der Aufschrei bei Hoffenheim genau so groß, dort ist der Investor aber ein Deutscher. Mit „ausländischem Kapital“ hat das also überhaupt nichts zu tun.

    Im übrigen ist der Ärger z.B. von Magdeburger Fans doch verständlich, wenn ein gekaufter Club bei einem (zu erwartenden) Durchmarsch ihrem Verein die Aufstiegsplätze „klaut“. Und natürlich spielt man lieber gegen „Traditionsvereine“, nicht wegen deren „Tradition“ als Qualität an sich, sondern weil die halt auch aktive Fans haben und es einfach mehr Spaß macht, lautstark zu supporten und beim Spiel alles zu geben, wenn auf der anderen Seite auch was passiert. Natürlich ist es auch ein Kräftemessen auf den Rängen und man möchte andere Szenen durch Lautstärke, Choreos oder Witz übertreffen, was ist daran auszusetzen?

    Absolut ignorant finde ich allgemein die Haltung gegenüber Ultras. Wer gerne „privat und unorganisiert“ ins Stadion gehen und sich in Ruhe das Spiel ansehen möchte, kann das ja gerne machen. Aber warum muss man dann anderen das Recht absprechen, mit „schwarze Kapuzenjacken, Jugendorganisationen, Capos und Banner mit Gruppennamen“ zum Spiel zu fahren? Soll doch jede/r das Spiel erleben, wie es ihm/ihr Spaß macht.

  2. 2 fussballvonlinks 31. August 2010 um 18:47 Uhr

    das problem ist ja, dass die „paramilitärischen supporteinheiten“ mit ihrem (zumindest im osten) fast immer sehr gewaltaffinen rumgeprolle, fussballstadien für alle anderen zunehmend unattraktiv machen. unter allen menschen, die auf fussball stehen, sind testoterongeladene, vermummte ultraatzen auf der suche nach nem 10 gegen 10 ein marginale minderheit, doch wie üblich bei mackerhaftem verhalten nehmen sie zigmal mehr raum ein als andere…

    ich hab nix gegen fahnen, choreos und lalala. aber das fahnen abziehen, der lokalpatriotismus, das teilweise kameradschaftsmäßige auftreten und allgemein die unreflektierte nähe zur gewalt nerven an fast allen ultragruppen (ausnahmen gibt es selbstverständlich, aber die sind rar). macker aus der kurve, damit die kurve lebt. oder so…

    und was traditionsvereine angeht: so ist es halt im sport. mal geht’s hoch mal geht’s runter. borussia neunkirchen war auch mal erste liga. tasmania berlin auch. muss ich sie deshalb vermissen? nö. jede tradition fängt irgendwann mal an. und wenn es 2009 ist. und haben roter stern leipzig oder roter stern berlin tradition? und sind sie deshalb schlechter, weil sie keine haben? bei wolfsburg und hoffenheim gibt’s mittlerweile auch fans, die alarm in der kurve machen. mehr wahrscheinlich als bei waldhof mannheim oder fc homburg (auch ex-erstligisten). bei rb leipzig wird’s in fünf jahren oder so in liga eins oder zwei nicht anders sein.

    und jetzt die gretchenfrage: wieso sollten die magdeburger jungs sauer sein, wennse wegen rbl nicht aufsteigen. je höher die liga, desto mehr kommerz und moderner fußball! wer den fußball reinhalten will, muss zu reinen amateurvereinen gehen. alles andere ist inkonsequent!

  3. 3 Roter Steen 31. August 2010 um 21:36 Uhr
  4. 4 fussballvonlinks 01. September 2010 um 16:02 Uhr

    1. der unterschied liegt in der ironie. es gibt zig gruppen, die genau sowas in echt und im ernst machen. genau deshalb wurde der fake von vielen ja auch nicht erkannt. allerdings ist ironie immer schwierig, weil egal wie überspitzt du es machst (golfschläger!), einige werden es immer für bare münze nehmen. aber ich bitte dich: ultras bei rbl?!? da wäre ja die deutsche meisterschaft für st. pauli derzeit fast realistischer…

    2. sag niemals nie! ;) erinnerste dich an bayer 05 uerdingen? als sich bayer da zurückzog und die sich in kfc uerdingen umbenennen mussten ging’s abwärts bis in liga 6! das kann den genannten prinzipiell auch passieren, wenn das große geld auf wanderschaft geht…

  5. 5 keny 01. September 2010 um 18:37 Uhr

    Also das Ultras die Stadien „zunehmend unattraktiver“ machen, halte ich ja mal für ein Gerücht, dass empirisch kaum zu belegen sein dürfte. Im Gegenteil sind die Stadien in den 90ern und 2000ern deutlich offener für Familien- und Eventpublikum geworden. Daran haben natürlich zum einen der DFB und die Vereine anteil mit Antirassismuskampagnen etc.. Einen Anteil dürfte daran aber auch das Aufkommen der Ultras in Deutschland haben, die eben für Stimmung und was für’s Auge sorgen und sich oftmals auch offener präsentieren als viele Kurven in den 80ern, wo man auch als Normalo viel schneller in Stress verwickelt war. Das die Ultras von Lok, Halle oder Erfurt auf der anderen Seite der Barrikade stehen, ist klar. Trotzdem erhöhen sie für Außenstehende die Attraktivität und schüchtern sie nicht ein, würde ich sagen. Für Linke natürlich schon, aber das müsste man dann auch explizit als politischen Konflikt benennen und nicht wie die „Ultras RBL“ schwammig über Ultras im Allgemeinen herziehen.

    Zu Lokalpatriotismus und Kollektivität hab ich ne andere Meinung, die können sich natürlich regressiv ausformen, müssen es meiner Meinung aber nicht (soziales Engagement, gegenseitige Unterstützung, etc.). Weiß aber nicht, ob das nicht gerade zu weit führt.

    Zu den Traditionsvereinen hab ich oben schon was geschrieben. Und zur „Gretchenfrage“: Natürlich möchte man erstmal, dass der eigene Verein erfolgreich ist und weit oben spielt. Das bringt eben auch attraktivere Spiele mit großen „gegnerischen“ Kurven. Klar geht das nur, wenn der Verein sich bis zu einem gewissen Maß an Verwertungszwänge anpasst. Dennoch ist es immer eine Frage der Durchsetzungsstärke der organisierten Fans, sich trotzdem Freiheiten innerhalb dieses Betriebs zu erhalten und neue zu erkämpfen. Von daher gibt’s meiner Meinung nach nicht nur die von dir aufgemachten Pole „mehr Kommerz“ und „Amateurtum“. Und wer Reinheit will, soll ins Kloster gehen ;-)

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