Archiv für August 2010

Red Bull verleiht Prügel!

Im Großraum Halle-Leipzig hat es mal wieder eine schöne Aktion gegeben. Die fiktive Ultragruppe von RB Leipzig hat schwer bewaffnet das Stadion des Hallischen FC geentert und wild gepost. Zur Belohnung gibt’s ein sehr gelungenes Interview in der Jungle World, das hier in einigen Auszügen zitiert werden soll:

Die Kampagne vereint so verfeindete Fanszenen wie die eher linken Anhänger der BSG Chemie Leipzig und die – vorsichtig formuliert – nach rechts ziemlich offenen Fans des 1. FC Lokomotive Leipzig sowie des Halleschen FC. Was die Ressentiments gegen RB Leipzig so widerwärtig macht, ist vor allem der gegen diesen Verein gerichtete Heuschrecken-Vergleich und die dazu gehörige Rhetorik…

Sieht man sich außerdem das klassische Publikum etwa des HFC oder von Lok Leipzig an, so braucht es einem nicht leid zu tun, wenn es sich auf ewig Spiele in Auerbach oder Meuselwitz anschauen muss…

… zumal wir die friedliche, familientaugliche Atmosphäre bei RB Leipzig sehr viel angenehmer finden als die wöchentlichen Räuber-und-Gendarm-Spiele im Umfeld der »Traditionsvereine«. Und dass Kommerz und Fußball nichts miteinander zu tun haben, war vielleicht noch in den dreißiger Jahren so…

Das wären Gründe dafür, privat und unorganisiert ins Stadion zu gehen, ganz ohne schwarze Kapuzenjacken, Jugendorganisationen, Capos und Banner mit Gruppennamen – und ohne die Angst, von anderen Ultragruppen überfallen und ausgeraubt zu werden. Leidenschaft als Programm und das »Verteidigen der eigenen Farben und des eigenes Reviers« finden wir nicht besonders ansprechend…

Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer, dass ich die Idee mit „Für den modernen Fußball“ als Erste_r hatte! ;)

rbl

Alle zusammen für die Lila-Weissen

Tennis Borussia BerlinLudwigsfelder FC 1:1

Freitag, 27.08.2010, 19:00 Uhr, Momsenstadion, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Nach der Niederlage in Lichterfelde gab es an diesem Freitag gleich der nächsten LFC, diesmal aus dem südlichen Speckgürtel Berlins. Trotz immer wieder einsetzendem leichten Regen entschieden sich die meisten TeBeler_innen diesmal dann auch wieder für ihren angestammten Platz im E-Block. Diese waren jedoch noch gar nicht alle angekommen, da stand es nach einer Ecke in der ersten Minute schon 0:1 und dieser Schock war noch nicht einmal anverdaut, da gab es auch schon den derzeit obligatorischen Platzverweis für einen Lila-Weissen. Diesmal erwischte es Jerome Bah in der 11. Minute nach einer ziemlich sauberen Rettungstat, die Schiedsrichter Nixdorf (kennt noch jemand die Computer? Die haben weniger Fehler gemacht…) als Notbremse wertete. TeBe spielte also rund 90% des Spieles mit nur 10 Mann. Nach den engagierten, jedoch ungeordneten Auftritten, die die Borussia in den letzten Pflichtspielen darbot, sobald sie in Rückstand geraten war, wäre jetzt eigentlich ein Ludwigsfelder Schützenfest zu erwarten gewesen. Doch ganz in Gegenteil waren es die mit den lila Trikots, die das Spielgeschehen dominierten. Ohne sich nach der zahlenmäßigen Dezimierung aus dem Konzept bringen zu lassen, bot TeBe schönstes Offensivspiel, das im Gegensatz zum Spiel in Lichterfelde diesmal auch nicht an der Strafraumgrenze plötzlich aufhörte. Diesmal gab es Chancen und zwar reichlich. Ludwigsfelde blieb bis weit in die zweite Hälfte nichts als Kontern, von denen einige sehr, sehr gefährlich waren. Die in Rot spielenden Randberliner scheiterten ein ums andere Mal an dem sich in Glanzform präsentierenden Torhüter Filatow, der auch völlig zurecht in der Fußballwoche in der Elf des Tages gelandet ist. Es dauerte jedoch noch bis zur 87. Minute bis ein weiteres Tor fallen wollte. Zum Glück aber nicht unverdient fiel es für TeBe. Nach einer Ecke durch Kirstein. Die letzten Minuten waren turbulent auf dem Rasen und laut auf den Rängen. Da mittlerweile einige Menschen vor dem Regen auf die Tribüne geflüchtet waren und andere eh schon das ganze Spiel über saßen wurden die Ludwigsfelder quasi in eine akustische Flügelzange genommen. Ein echter Momsenroar…

Nach dem erlösenden Abpfiff war dann alles Jubel und Erleichterung. Der erste Punkt der Saison war im Sack, die rote Laterne wurde an Optik Rathenow weitergereicht und die Leistung machte wirklich Hoffnung auf eine dauerhafte Leistungssteigerung. Der einzige Mensch im Ludwigsfelder Block war zu diesem Zeitpunkt schon längst gegangen. Fankultur ist beim LFC wohl eher nicht so das große Ding…

Lichterfelde West bis Lichterfelde Ost

Lichterfelder FCTennis Borussia Berlin 3:0

Samstag, 21.08.10, 14:00 Uhr, Stadion Lichterfelde, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Lichterfelde kenne ich ja sonst nur als Heimat von Brutos Brutaloz, der da wohl offenbar der Boss ist, aber eigentlich ist die Jugend- und Nachwuchsarbeit des örtlichen Fußballvereins viel bemerkenswerter und aller Ehren wert. Das erste Frauenteam ist auch gerade Berliner Pokalsieger geworden und trifft demnächst im DFB-Pokal auf Champions League-Sieger Turbine Potsdam. Dass das Stadion (wie so viele andere) zwischen 1933 und 1945 Adolf-Hitler-Stadion hieß, lassen wir bei mal lieber außen vor und bewundern lieber die beeindruckende Benjamin Franklin Klinik direkt neben dem Stadion.

Jedenfalls ist das Stadion Lichterfelde ein schöner Ort zum Amateurfußball gucken, auch wenn das Ergebnis an diesem sonnigen Samstag leider eher das Gegenteil dessen war, was mit lieb gewesen wäre. Hier sitzt der Stadionsprecher noch mitten unter den Zuschauer_innen, zum Pinkeln muss mensch nochmal aus dem Stadion raus und hinterher wieder rein und die Sitzplatztribüne sorgt für eine tolle Akkustik beim Support, den es bei diesem Spiel ausschließlich von TeBe-Seite gab. Die TeBeler_innen machten auch locker mehr als die Hälfte derjenigen aus, die sich dieses Spektakel gaben und bekamen für ihr tapferes Halten zur Borussia selbst nach Spielende nicht nur vom Stadionsprecher Respekt und Props.

Das Spiel selbst hatte zwei Gesichter, die passenderweise auch fast mit den zwei Halbzeiten zusammenfielen. In der ersten Hälfte passierte so richtig gar nichts. Fast alles, was geschah, geschah rund um die Mittellinie und weit abseits der Strafräume. In der zweiten Hälfte hätte es eigentlich auch so weitergehen können, wenn es nicht vor vor dem Halbzeitpfiff einen schlimmen lila-weißen Fehlpass in der eigenen Hälfte und darauf folgend eine sehr kreative Auslegung der Vorteilsregel seitens des Schiedsrichters gegeben hätte. Das Resultat war das 1:0 durch einen wirklich schön geschossenen, aber nicht unbedingt unhaltbaren Freistoß durch Bräuer. Von da an kam Lichterfelde immer besser ins Spiel und der Schiedsrichter tat mit seiner eigenwilligen Regelauslegung inklusive einer Roten für TeBe sein übriges dazu, dass der LFC durch Hube und wiederum Bräuer noch auf 3:0 erhöhen konnte. Bei den Lila-Weißen fehlt es offenbar noch immer an der Eingespieltheit und trotz der immer wieder aufblitzenden individuellen Klasse der Spieler, kommt noch kein wirklich guter Fußball dabei heraus. Vor allem der letzte Pass, der zu Torchancen führen könnte, fehlt einfach komplett. In Lichterfelde hatte TeBe weniger Chancen als der LFC Tore. Hoffentlich sieht das am Freitag zu hause gegen Ludwigsfelde anders aus.

VFL Autostadt zu Gast in Berlin

Türkiyemspor BerlinVFL Wolfsburg II 2:4

Freitag 20.08.10, 19:00 Uhr, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, Regionalliga Nord (Männer)

Da zeitgleich zu Türkiyemspors erstem Heimspiel der Saison auch der Rote Stern Nordost im Pokal gegen Pulmon Negro ran mußte (und 3:1 gewann), waren einige der sonst üblichen Besucher_innen nicht zugegen. Bekannte Gesichter gab es dann aber doch noch zur Genüge. Und diejenigen sahen dann auch, während die Sonne langsam hinter der Gegentribüne versank, eine muntere erste Halbzeit, bei der Türkiyemspor nicht unverdient in der 36. Minute durch Schalle in Führung ging. Auch in der zweiten Hälfte ging erst mal alles nach Plan und nach schöner Flanke erzielte Steinwarth in der 51. Minute das 2:0. Doch schon im direkten Gegenzug konnte Könnecke für Wolfsburg den Anschlusstreffer erzielen. Von da an spielte nur noch einer: Der Schiedsrichter! Erst überrascht er alle damit, dass er Türkiyemspor einen Freistoß gibt, nachdem einer der Blau-Weißen am Boden liegend einen Wolfsburger am Fuß festhält, dann rutscht er einmal gepflegt aus und schließlich gibt er Wolfsburg einen völlig lächerlichen Elfmeter (noch weit lächerlicher als jener gegen Tebe letzte Woche…), den Wolze dankend verwandelt (55. Minute). Plötzlich war der bisherige Spielverlauf, in dem Türkiyemspor eindeutig feldüberlegen war und Wolfsburg über schöne Ansätze zu gepflegtem Kurzpassspiel selten herauskam, auf den Kopf gestellt. Dass die Niedersachsen dann kurz vor Schluss noch durch Thölke und erneut Könnecke sogar noch auf 4:2 erhöhen konnte und auf der anderen Seite Ahmetcik mit Gelb-Rot vom Platz fliegt, war da eigentlich nur konsequent. Wobei die zweite gelbe Karte total klar ging, die erste jedoch war vollkommen unnötig. Schöne Scheiße!

Hoffentlich geht die Saison nicht so weiter. Das 1:1 in Leipzig war doch eigentlich ein guter Auftakt. Noch zu erwähnen bleibt, dass Türkiyemspor den wohl ältesten Kapo der Welt und ein neues Vereinslogo hat, Wolfsburg exakt null Menschen als Anhang mitgebracht hat (Regionalligareform jetzt!) und unter den Jugendspielern von Türkiyemspor einige Kids schon ziemlich seltsame T-Shirts tragen („Ben Bir Türküm“, „Ottoman“ etc.). Nationalismus ist so neunzehntes Jahrhundert…

HSV-Hools attackieren St. Pauli-Fans und Benedikt Pliquett

Wie der Kicker und andere berichten wurden Benedikt Pliquett und einige Anhänger_innen des FC St. Pauli nach der Rückkehr vom Auswärtssieg in Freiburg am Bahnhof Altona von HSV-Hools tätlich angegriffen. Wenige Wochen vor dem Derby scheinen die Emotionen bei Einigen schon sehr hochzukochen:

Knapp einen Monat vor dem Hamburger Derby haben 15 vermummte Anhänger des HSV in der Nacht zum Sonntag Pauli-Fans und Ersatztorhüter Benedikt Pliquett attackiert. Der 25-Jährige war nach der Rückkehr vom Bundesliga-Spiel beim SC Freiburg mit Fans am Bahnhof Altona ausgestiegen und wurde sofort angegriffen. „Die Täter sind durchaus organisiert vorgegangen“, sagte Reiner Urban, Sprecher der Bundespolizei.

Pliquett blieb unverletzt, zwei St. Pauli-Anhänger mussten dagegen ins Krankenhaus gebracht werden. Drei HSV-Fans im Alter von 16 bis 29 Jahren wurden festgenommen, fünf weitere kurz darauf ermittelt. „Eine Flasche verfehlte ganz knapp meinen Kopf. Ich rief die Polizei. Sie griff auch sofort ein“, sagte Pliquett der Bild-Zeitung. Der Torwart konnte mehrere Tritte mit seinem Koffer abwehren. Die Hooligans hatten auch bereits am Boden liegende Personen weiter getreten und geschlagen. Laut Polizeiangaben zog sich ein Fan einen Nasenbeinbruch zu, einem weiteren wurde das Hörgerät aus dem Ohr geschlagen. „Die Täter sind durchaus organisiert vorgegangen“, sagte der Sprecher der Bundespolizei, Reiner Urban, dem Hamburger Abendblatt. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass diese Personen in der Datei „Gewalttäter Sport“ registriert seien. Außerdem seien Dauerkarten des HSV gefunden worden, erklärte die Polizei weiter.

Den ganzen Artikel gibt es [hier].

Kein Heimspiel für Pastörs

Die Jungle World widmet mich in ihrer aktuellen Ausgabe in der Antifarubrik der Vertreibung von Udo Pastörs samt Gefolge aus dem ehemaligen Ostseestadion durch Ultras des FCH:

Bislang waren die Anhänger des FC Hansa Rostock vor allem als erbitterte Gegner des FC St. Pauli bekannt. Kürzlich ließen sie jedoch eine Abordnung der NPD ihre Abneigung spüren.

Das Wetter meinte es gut am letzten Wochenende im Juli. Seit 1964 feiert man in dem kleinen vorpommerschen Städtchen Ueckermünde die Hafftage – das größte Volksfest der Region. Nicht ganz so lange währt die Tradition der NPD, diese Veranstaltung mit ihrer Propaganda zu überziehen. Während in diesem Jahr NPD-Mitglieder am Kai Flugblätter verteilten, schipperte Tino Müller, ehemaliges Mitglied der mittlerweile verbotenen »Heimattreuen Deutschen Jugend« und NPD-Landtagsabgeordneter, auf einem kleinen Fischerkahn über die Uecker, am Heck wehte die Flagge seiner Partei. In den örtlichen Medien fand der Auftritt keine Erwähnung.

Für viele Fußballfans sind die Spiele ihrer Vereine ebenfalls große Volksfeste, die Anhänger des FC Hansa Rostock sind da keine Ausnahme. Inner- und außerhalb der Stadien kennt man nicht nur ihre einfallsreichen Choreografien, sondern auch ihre Faible für Rauchbomben und Gewalttaten.

Seit Beginn der laufenden Saison berichtet das Internetportal Mupinfo, das der NPD nahesteht und auf den stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden David Petereit registriert ist, begeistert über den FC Hansa und seine Spiele. Allerdings musste ein Autor namens Michael Fischer auch schon besorgt fragen: »Hansa auf linken Abwegen?« Anlass für den Artikel war die Gründung der »Unique Rebels – Hansa Rostock«. Dieser neue Fanclub, eine Abspaltung der »Suptras Rostock«, spricht sich gegen jede Form von Diskriminierung aus. Fischer meint deshalb, »klare linksfaschistische Strukturen« erkannt zu haben.

Anfang August, am vierten Spieltag der dritten Liga, versuchten Nazis dann einen kollektiven Stadionbesuch. Begleitet von seinem Bodyguard David Böttcher, seinem Fraktionskollegen Stefan Köster und etwa 20 weiteren Gesinnungsgenossen betrat Udo Pastörs, Vorsitzender der NPD-Landtagsfraktion, die DKB-Arena. Kurz vor ihrem Ziel, der neu eingerichteten Südtribüne – wo die »Suptras Rostock« das Sagen haben –, wurden Pastörs und seine Begleiter erkannt. Die Hansa-Anhänger drängten den rechtsextremen Trupp handgreiflich zurück und riefen: »Nazis raus!« Der NPD-Tross lehnte das Angebot der Veranstalter ab, das Spiel von anderen Plätzen aus zu verfolgen.

Den ganzen Artikel gibt es [hier].

Angriff auf Antifaschist_innen in Kiew

Wie Indymedia berichtet kam es in Kiew in der Ukraine zu einem Angriff von Nazis und Hools auf antirassistische Fans von Arsenal Kiew:

Nach einem Fußballspiel der Ukrainischen Premier League am 15.08.2010 zwischen Arsenal Kiev und Voly Lutsk kam es zu heftigsten Angriffen von bewaffneten Neo-Nazis auf antifaschistische Fußballfans. Während des Fußballspiels zeigten Unterstützer_innen von Arsenal Kiev antirassistische Transparente und solche in Solidarität mit den in Russland inhaftierten Antifaschist_innen womit sie zum ersten Mal auf diese Art in der Öffentlichkeit ihre antirassistischen Ansichten zeigten.
Nach dem Spiel wurden sofort 30 Arsenal Fans auf ihrem Weg zur Metro von 50 Neo-Nazis attackiert, darunter auch Fans des Dynamo Kiev. Dieser Angriff war kein üblicher zwischen Fangruppierungen: Die Angreifer_innen waren mit Messern und Schlagringen bewaffnet und skandierten Parolen wie „Heil Hitler“.
Nach einem Fußballspiel der Ukrainischen Premier League am 15.08.2010 zwischen Arsenal Kiev und Voly Lutsk kam es zu heftigsten Angriffen von bewaffneten Neo-Nazis auf antifaschistische Fußballfans. Während des Fußballspiels zeigten Unterstützer_innen von Arsenal Kiev antirassistische Transparente und solche in Solidarität mit den in Russland inhaftierten Antifaschist_innen womit sie zum ersten Mal auf diese Art in der Öffentlichkeit ihre antirassistischen Ansichten zeigten.
Nach dem Spiel wurden sofort 30 Arsenal Fans auf ihrem Weg zur Metro von 50 Neo-Nazis attackiert, darunter auch Fans des Dynamo Kiev. Dieser Angriff war kein üblicher zwischen Fangruppierungen: Die Angreifer_innen waren mit Messern und Schlagringen bewaffnet und skandierten Parolen wie „Heil Hitler“.

Im Zuge des Angriffs versuchten Neo-Nazis einen Antifaschisten zu töten. Als dieser bewusstlos am Boden lag wurde ihm drei Mal mit einem Messer in den Rücken gestochen wobei auch die Lunge verletzt wurde. Nach einer Operation befindet er sich nun in einem stabilen Zustand. Ein anderer Antifaschist wurde mit Hirnverletzungen und in Folge dieser mit vorübergehendem Gedächtnisverlust in ein Krankenhaus eingeliefert. Weitere Fans des Arsenal erlitten verschiedenste, zum Teil schwere, Verletzungen. Direkt nach dem Angriff verhaftete die Polizei vier der Angreifer von denen einer noch ein blutverschmiertes Messer bei sich trug. Die Polizeidirektion von Pechersk verweigert sich in dieser Strafsache zu ermitteln und leugnet die Tatsache eines ideologisch motivierten Übergriffs. (mehr…)

Hansa-Rostock-Fans jagen NPD aus dem Stadion

Wie Endstation Rechts und Indymedia berichten, haben am vergangenen Wochenende beherzte Anhänger_innen des FCH Udo Pastörs, seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der NPD im Schweriner Landtag, samt Anhang aus der Kurve und auch gleich aus dem Stadion getrieben:

Eine herbe Niederlage musste die NPD am Sonntag schon vor Anpfiff der Drittliga-Partie zwischen dem FC Hansa Rostock und TuS Koblenz erleiden. Statt sich auf der Südkurve des Ostseestadions volksnah zu geben, drängten gut 150 Hansa Fans die etwa 25 Mann starke Abordnung um den NPD-Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs aus dem Stadion.

Als Tobias Jänicke in der 31. Minute das erlösende 1:0 für Hansa Rostock schoss und für grenzenlosen Jubel bei den Fans auf der Südtribüne sorgte, waren einige Stadionbesucher schon nicht mehr da. Denn ohne Frau und mit Anzug wollte sich heute eigentlich auch der Fraktionsvorsitzende der NPD im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, die Begegnung anschauen.

Dabei hatte der rechtsextreme Politiker, der im Tross mit dem stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden David Petereit erschien, die Rechnung offenbar ohne den „Wirt“ gemacht. Denn die Hansa-Fans auf der neu eröffneten Hintertortribüne hatten auf diese speziellen Gäste augenscheinlich gar keine Lust, so dass sie die NPD-Reisegruppe unter „Nazis raus“-Rufen aus „ihrem“ Block drängten. Einige Personen im Stadion meinten gar, die NPD sei regelrecht aus dem Stadion geprügelt worden. Gut also, dass Udo Pastörs auch seinen Personenschützer David Böttcher dabei hatte, der auch im Sommer mit Lederhandschuhen bekleidet ist.

Für Hansa Rostock interessiert man sich im Umfeld der rechtsextremen Partei schon seit längerer Zeit. Auf dem NPD-nahen Nachrichtenportal MUPINFO findet sich seit dieser Saison nach jedem Spiel, ob zuhause oder auswärts, ein kurzer Spielbericht. Und vor kurzem fragte Michael Fischer in einem Beitrag: „Hansafans auf linken Abwegen?“ Er meinte festgestellt zu haben, dass die „politische Ausrichtung vom vermeintlichen ,Nazispektrum‘ in die linke Ecke“ gedriftet sei. Dass dies nicht nur, wie vom Autor vermutet, in „gewissen Splittergruppen“ der Fall war, konnte die NPD heute am eigenen Leib erfahren. Der übliche Spielbericht auf dem Portal fiel heute übrigens aus.

Daumen hoch und weiter so! Siamo tutti antifascisti!

Singing in the rain…

Tennis Borussia BerlinBrandenburger SC Süd 05 2:5

Freitag, 06.08.2010, 19:30 Uhr, Momsenstadion, Oberliga Nordost Nord (Männer)

Aufgrund der vielen Menschen, die auf den allerletzten Drücker ins Stadion wollten, wurde der Anpfiff um ein paar Minuten nach hinten verlegt und als wir uns dann gerade auf den Weg in den E-Block machen wollten, sahen wir schon auf halber Strecke, wie uns alle, die dort gestanden hatten, entgegen kamen, denn es hatte gerade anzufangen so richtig zu pladdern. Und so einen stylishen Regenschirm wie meinen hatte wohl kaum jemand dabei. Einige wenige hielten es dann doch auf den Stehplatzrängen aus, aber das Gros der TeBeler_innen und auch die Brandenburger_innen wechselten lieber unter das schützende Dach der Tribüne. Als ich dann später mal durch den Regen zur Toilette ging, konnte ich mich mal wieder von dem neben dem Schutz vor Wetter größten Vorteil von Tribünendächern überzeugen: Der hervorragenden Akkustik! Obwohl nur knapp 500 Leute da waren, war der Support richtig präsent im Stadionrund.

Das Spiel selbst ist schnell zusammengefasst. Die ersten zwanzig Minuten gestalten sich bei strömendem Regen durchaus offen. Es ist für beide Teams das erste Pflichtspiel der Saison und dementsprechend tasten sie sich erst einmal gegenseitig ab. Doch in der 21. Minute geht Brandenburg dann doch durch Wedemann in Führung. In der Folge stellt sich TeBe jedoch keineswegs hinten rein und so gelingt Aboubacar Condé nach schönem Zuspiel der Ausgleich. Kurz vor der Pause entscheidet der nicht eben souverän agierende Schiedrichter Marcel Bartsch auf Elfmeter, nachdem Lassane Touré seine Gegenspieler auf dem Weg zur Auslinie nahe der Strafraumecke leicht berührt hatte. Aus meiner Sicht war das nicht mehr, eher weniger als ein normaler Zweikampf, doch das interessiert ja leider nicht, und so verwandelt Kahlert zum zu diesem Zeitpunkt und unter diesen Umständen nicht wirklich verdienten 2:1. Nach der Pause geht dann alles ganz schnell. Wedemann und Voß erzielen schnell zwei Tore für Brandenburg und damit ist für TeBe der Zug quasi abgefahren. Das Spiel plätschert mehr so vor sich hin, wird nickeliger. TeBe gibt sich nicht auf, kommt aber gegen die nun deutlich überlegenen Brandenburger nicht zum Zug. Schließlich mach Polster sogar noch das 5:1. Es zeugt jedoch von Moral, dass TeBe in der letzten Spielminute durch einen Nachschuss von abermals Condé noch das 2:5 erzielte. Entsprechend frenetisch wurde dieses Tor dann auch gefeiert. Auch noch eine Viertelstunde nach Abpfiff…

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass es einfach nicht menschenmöglich ist, innerhalb weniger Wochen ein rund laufendes Team aus dem Boden zu stampfen. Das von Cemal Yildiz frisch formierte Team, das vor allem aus Spielern von Türkiyemspor, BAK und TeBes zweiter Mannschaft zusammenrekrutiert wurde, hat jedoch hier und da echtes Potential aufblitzen lassen. Was vor allem fehlt, ist die Abstimmung und das Eingespieltsein aufeinander. Außerdem denke ich, dürfte der Großteil der Spieler auch ziemlich aufgeregt gewesen sein vor ihrem ersten Spiel in der dann doch immerhin fünften Liga und vor wirklichen Fans mit wirklichem Support. Trotz des auf dem Papier niederschmetternd wirkenden Resultats bin ich für die kommende Saison alles andere als hoffnungslos.

Die Fans aus Brandenburg an der Havel waren auch recht zahlreich am Start und recht ultraesque unterwegs. Der Support der vielleicht 30 Aktiven war durchaus sehenswert und erinnerte vom Liedgut her ziemlich an St. Pauli oder Babelsberg. Zwar kamen mir die meisten derjenigen, dir mir dann auf dem Weg durch den Wald und am Bahnhof Messe Süd begegneten wie ziemlich stark alkoholisierte Prolls vor (um nicht zu sagen „wie ein totaler Männermob“), die auch gut auf die Biermeile in Friedrichshain gepasst hätten, aber allein die Tatsache, dass Tebeler_innen und Gästefans Seite an Seite und ohne Polizei dazwischen im Stadion und drumherum miteinander auskommen, spricht schon für die relative Korrektheit des Besuchs. Vor allem, wenn dieser aus Brandenburg kommt…

Was noch zu erwähnen bleibt sind die schönen neuen Schokoladentrikots, die Abordnung des Schokoladens samt schönem Transpi am E-Block, die Tatsache, dass Fassbrause das beste Stadiongetränk ever ist, „Waiting Room“ von Fugazi als Pausenmusik und die Gewissheit: We save TeBe!


Schokoladen-Trikots für TeBe!

Der Schokiblog meldete kürzlich und pünktlich zum Saisonstart der Lila-Weissen Folgendes:

Berliner Traditionsclub wirbt für den Erhalt alternativer Kultur in Berlin

Das Kulturprojekt „Schokoladen“ und die Fußball-Faninitiative „We save TeBe“ schließen sich zusammen, um gemeinsam ein Zeichen gegen die Verdrängung alternativer Kultur aus Berlin zu setzen: Ab Freitag fliegt im Mommsenstadion die (Schokoladen-)Kuh!

Mit einer Solidaritätsaktion will der traditionsreiche, einst unweit des Hackeschen Marktes gegründete Fußballclub Tennis Borussia Berlin zur Rettung des bedrohten Kulturprojektes „Schokoladen“ in Berlin-Mitte beitragen: Bis sich ein Sponsor für die Brustwerbung auf den Trikots gefunden hat, wird TeBe dort das Logo des Clubs sowie den Slogan Schokoladen bleibt – Alternative Kultur in Berlin erhalten! präsentieren – erstmals zum Saisonauftakt gegen den Brandenburger SC Süd (Freitag, 6.8., 19.30 Uhr, Mommsenstadion.

Die Idee zur Unterstützung des Schokoladens entstand innerhalb der Faninitiative „We save TeBe“, deren Mitglieder zum Teil auch im Umfeld alternativer Kulturprojekte aktiv sind. „Als unsere Fans den Vorschlag an uns herantrugen, hat uns das sofort überzeugt“, sagte der neue Vorstandsvorsitzende Andreas Voigt. „Mit unserer traditionell eher alternativ geprägten Fankultur stellen wir ja selber ein Angebot jenseits des Mainstreams dar und finden es wichtig für unsere Stadt, dass die drohende Verdrängung der Off-Kultur aus den Innenstadtkiezen gestoppt wird. Nachdem die neue Vereinsführung während der vergangenen Wochen um die Sicherung der Zukunft Tennis Borussias gekämpft hat, hoffen wir, dass wir ein bisschen zur Rettung des
Schokoladens beitragen können. Auch wenn wir wirtschaftlich natürlich darauf angewiesen sind, baldmöglichst wieder einen Brustsponsor zu gewinnen, steht für uns fest, dass wir die Solidaritätsaktion dann in anderer Form fortsetzen wollen.“

Matthias Legde vom Schoko-Laden e.V. zeigte sich sehr erfreut über die ungewöhnliche Solidaritätsbekundung. „Aufgrund bereits bestehender persönlicher Kontakte war von Anfang an ein guter Draht zueinander vorhanden und wir hatten viel Spaß bei der gemeinsamen Vorbereitung und Umsetzung der Aktion. Angesichts der für unser Projekt ernsten Situation finden wir es natürlich spitze, dass TeBe auf diese Weise ein Statement abgibt und freuen uns auf diverse gemeinsame Projekte, für die bereits interessante Ideen geboren wurden.“

Der Schokoladen existiert bereits seit dem Oktober 1990 und beherbergt neben dem Kulturcafé Schokoladen auch Künstlerateliers, Proberäume, ein Tonstudio, den „Club der polnischen Versager“ sowie das Theater Im Schokohof, Das Wohn- und Kulturprojekt in der Ackerstraße im Berliner Stadtbezirk Mitte kämpft gegenwärtig um seine Existenz, da der Eigentümer des Gebäudes eine Entmietung betreibt. Der Schokoladen war eines der ersten Kulturprojekte, die nach der Wende zur rasanten Wiederbelebung der Spandauer Vorstadt beitrugen. Dieser Stadtteil war in den letzten zwanzig Jahren wie kein anderer von Umstrukturierung und Aufwertung geprägt, welche zu massiven Mietsteigerungen sowie der Verdrängung einkommensschwacher Bevölkerungsteile und Off-Kulturprojekte führte. Der Schokoladen ist heute eines der letzten verbliebenen alternativen Projekte im Kiez um den Rosenthaler Platz.

Was passt, das passt. Fussballvonlinks gratuliert!


tebeschoki