Ultras Roter Stern Berlin vs. St. Pauli

In der neuesten, zweiten, Ausgabe ihres Fanzines „Zur Sonne. Zur Freiheit!“ widmen sich die Ultras Roter Stern aus Berlin unter anderem und völlig zurecht dem, was gerade beim FC St. Pauli abgeht, bei dem sich momentan tatsächlich Verantwortliche immer wieder positiv darauf beziehen, dass die Spieler der Lizenzspielerabteilung allesamt einen deutschen Pass haben. Eine solche positive Bezugnahme auf des nationale Kollektiv MUSS kritisiert werden!

Doch leider werden URS wie immer, wenn von St. Pauli die Rede ist, unsachlich und von ihren eigenen Identitätspolitiken geleitet…

Wer auf der einen Seite kritisiert, dass der FC St. Pauli sich als „Stadtteil-Club, der regional aufgestellt ist,“ bezeichnet, kann nicht gleichzeitig fordern, dass mensch „einen in der Region verankerten Roter-Stern-Verein“ unterstützen soll, sollte sich zumindest des damit aufgemachten Widerspruchs bewusst sein. Außerdem spielen beim FC St. Pauli alleine in der ersten Herrenmannschaft rund ein halbes Dutzend Menschen mit Migrationshintergrund, während bei sämtlichen Roter-Stern-Vereinen in der BRD nahezu ausschließlich Herkunftsdeutsche spielen. Ist das jetzt wirklich so viel besser?! Und wie viele Nicht-Kartoffeln gibt es bei der URS?!?

Die „linke Revolution“ bei St. Pauli in den 1980ern einseitig an Volker Ippig festzumachen ist auch eher halbseiden und verschweigt vollkommen, dass Sven Brux, der gegenwärtige Sicherheitsbeauftragter und Organisationsleiter des Vereins, einer derjenigen war, die damals das „Millerntor Roar“ gestartet haben und damit einen der entscheidenden Impulse für die sich formierende alternative Fankultur in der Bundesrepublik gegeben haben. Die Bedeutung des Fanladens St. Pauli als Pilotprojekt und die maßgebliche Beteiligung von St. Paulianer_innen an der Gründung von BAFF fallen auch untern Tisch.

Ich will nicht leugnen, dass sich bei St. Pauli vieles geändert hat und dass gerade was das Marketing und die Veräußerung von Rechten angeht viel Scheiße gebaut wurde, aber St. Pauli hat noch immer eines der wenigen Profiteams, die in Stadien ohne Sponsor im Namen spielen und ist was den kooperativen Umgang mit Fans und Ultras auch anderer Vereine angeht absolut vorbildlich. Auch von dem strikten Vorgehen gegen z.B. Thor Steinar-Klamotten im Stadion könnten sich so einige mal ne Scheibe abschneiden. Und welcher andere Profiverein hatte schon einen offen schwulen Präsidenten?

Auch der positive Bezug auf Vereine mit Wurzeln in der Arbeiter_innenbewegung (bei URS wird selbstverständlich nicht gegendert, sind ja wahrscheinlich auch alles echte Männer…) bei gleichzeitiger Kritik einer vom Hörensagen bekannten verkürzten Kapitalismuskritik beim FC St. Pauli verwundert mich doch etwas. Glaubt wirklich irgendwer bei traditionellen Arbeiter_innenvereinen sähe das irgendwie besser aus??? Ich denke, eher das Gegenteil ist der Fall. Im Übrigen sind sich bei St. Pauli die meisten Menschen bewusst, dass der FC Bayern München und auch Uli Hoeneß persönlich dem Verein in seiner letzten Krise sehr geholfen haben. Heutzutage ist der FC Bayern am Millerntor sicher besser gelitten als in fast allen anderen Stadien der Republik. Und das nicht nur dank der guten Verbindungen zwischen USP und Schickeria…

Die Ultras Roter Stern haben leider die Chance vertan auf das richtig erkannte Problem mit sachlicher Kritik zu reagieren. Irgendwie wirkt der ganze Artikel so, als ginge es nicht um die Sache, sondern nur um St. Pauli-Bashing und um Roter Stern-Gehype. Ich glaube nicht, dass das irgendwen überzeugt. Vielleicht sollten URS auch lieber erst mal vor der eigenen Haustüre kehren. Nach dem heutigen Tag mit dem Roten Stern Cup umso mehr…

Jedenfalls: Coole Kids kaufen sowieso kein Merchandise von Profivereinen, sondern den Kram ausm Fanladen oder von den Ultras! Aber vor allem denken coole Kids nach, bevor sie mit dem Finger auf andere zeigen…

Die PDFs von „Zur Sonne. Zur Freiheit!“ findet ihr allesamt [hier].


9 Antworten auf „Ultras Roter Stern Berlin vs. St. Pauli“


  1. 1 LeChuck 04. Juli 2010 um 1:37 Uhr

    Der Artikel wirkt nicht nur wie St.-Pauli-Bashing, er ist zum Teil unsachlich und polemisch bis hin zur Aussagenfälschung. Beispielhaft ist hier der völlig surreal anmutende Versuch, den FC St. Pauli in die ausländerfeindliche, nationale Ecke zu rücken.

    Da hat der FC St. Pauli in der kommenden Saison (voraussichtlich) zufällig nur deutschsprachige Spieler im Kader. Das findet die Presse heraus und findet es ganz interessant. Die Süddeutsche interviewt Helmut Schulte, der weist zu Recht auf die kommunikationstechnischen Vorteile einer solchen Situation hin.

    Jetzt schreiben die URS:
    „Der Gegensatz regional statt international wird an gleicher Stelle noch etwas weiter präzisiert: „Der FC St. Pauli braucht weder Dolmetscher noch Sprachkurse. Beim Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga wird akzentfrei deutsch gesprochen. Was in jeder anderen Profi-Mannschaft nahezu unmöglich wäre, ist bei den Hamburgern normal: Alle Spieler sind momentan Deutsche.“

    Dabei wird der Eindruck erweckt, diese Sätze seien auch aus dem Mund von Schulte gekommen. In Wahrheit entstammen sie aber dem Hirn des Autoren des SZ-Artikels.

    Wohlweislich verschwiegen wird dagegen die ebenfalls in der SZ zitierte Aussage Schultes: „Wir verpflichten dabei nicht nach Staatsangehörigkeit, sondern bevorzugen lediglich Spieler, die wir gut einschätzen können und die sich leicht integrieren lassen.“ Da könnte der geneigte Leser ja womöglich auf die Idee kommen, der Grund für diese Strategie St. Paulis könnte rein sportlicher Natur sein.

    Ich weiß nicht, wie ernst diese Gruppe zu nehmen ist und welchen Einfluss sie dort in der Region hat. Aber mit Hilfe eines gefälschten Zitats den FC St. Pauli in die rechte Ecke drängen zu wollen, zeugt von einem gerüttelt Maß an Dreistigkeit und Skrupellosigkeit. Deshalb auf jeden Fall Danke für diese Replik!

  2. 2 sternchen 05. Juli 2010 um 12:14 Uhr

    @urs: auch wenn mein comment gerade überhaupt nicht hier rein passt. aber die permanente konfrontation seitens urs mit anti-st-pauli und anti-usp-parolen liegt mir seit einiger zeit schwer im magen. mir liegt jegliche hetze gegen urs fern und ich führe auch keinen persönlichen krieg gegen die gruppe. allerdings würde ich mir wünschen, vielleicht zukünftig wieder öfter am spielfeldrand beim roten stern nordost stehen zu können und mich wohler zu fühlen als bei den letzten besuchen. was dann vielleicht auch zu folge haette, dass sich mehr leute ins stadion verirren.

    deshalb hier nur kurz. man muss st. pauli und ihre aktive fanszene nicht mögen, das verlangt niemand. allerdings sind ultra st. pauli die EINZIGE ultra gruppierung, die ich kenne, die MINDESTENS gegen drei punkte in ihren reihen vorgeht, die für mich als person, die fussballspiele live im stadion besucht, ein absolutes NO GO sind: rassismus, homophobie und sexismus. und auch bei urs würde ich mir einen kritischeren umgang mit diesen themen wünschen.

    hofentlich bis bald.

  3. 3 Wayne 05. Juli 2010 um 12:56 Uhr

    „Dreistigkeit und Skrupellosigkeit“

    Da haben sie immerhin etwas mit der USP gemein.

  4. 4 hicks 06. Juli 2010 um 14:51 Uhr

    @sternchen
    da könnte ich dir doch glatt in der nächsten saison einen besuch im mommsenstadion empfehlen ;)

  5. 5 z.toni 21. Juli 2010 um 20:45 Uhr

    Forza TeBe, Forza RSL, Forza auch St.Pauli (alles andere ist schmu)

  6. 6 fiel nnameir 22. September 2010 um 19:37 Uhr

    wenn man sich den roten stern aus nob mal ansieht, sollten sie wohl selbst nicht die klappe soweit aufreißen. in diese ganze szenerie dort involviert sind viele ex-mitglieder der hardcore-antideutschen nationalistischen autonomen antifa nordost. darunter zb leif riemann, der sich selbst zum liberalismus bekennt und in der szene u.a. traurige brühmtheit erlangte, als er eine frau vergewaltigte. die aano hat sich damals geschlossen hinter seine tat gestellt.

  7. 7 urs Empire 23. September 2010 um 17:41 Uhr

    „involviert sind viele ex-mitglieder der hardcore-antideutschen nationalistischen autonomen antifa nordost. “

    1. zurecht
    2. liberal? warum nicht!

  1. 1 Coole Kids tragen kein St. Pauli-Merchandise « URS – Ultras Roter Stern Pingback am 19. Juli 2010 um 23:39 Uhr
  2. 2 St.Pauli: Der Spagat ging in die Hose! « URS – Ultras Roter Stern Pingback am 29. Dezember 2010 um 12:24 Uhr
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