In der Wüste Kamele treiben?

Immer wenn im Männerfußball ein großes Turnier ansteht, kehrt sich bei vielen Menschen das Allerschlechteste nach außen. So natürlich auch bei der diesjährigen FIFA-WM der Männer in Südafrika. Nicht nur der patriotische Mob auf den Straßen hat recht wenig mit fortschrittlichen Ideen zu tun und dafür um so mehr mit verschissenen Zwangskollektiven wie Staat und Nation, deren bedenkenlose Affirmation dieser Tage Hochkonjunktur hat, auch die die Medien überbieten sich immer wieder in Fragen national(istisch)er Verblendung. Ein neues Glanzlicht in diesem Bereich kommt aus der Schweiz, wo sich die versammelte Fußballnation nach einer roten Karte gegen Behrami im Spiel gegen Chile von tiefem Zorn erfüllt gegen den saudi-arabischen Schiedsrichter Khalil Al Ghamdi giftet.

So forderte das Boulevardblatt Blick laut swissinfo.ch der „saudische Schiedsrichter solle lieber in der Wüste Kamele treiben“ und hat auch gleich einen äußerst akuraten Problemlösungsansatz: „Raus mit den Exoten!“ Auch Natitrainer Ottmar Hitzfeld zeigt sich von seiner besten Seite: „Bei einer WM sollten nur die besten Schiedsrichter pfeifen, die auch sonst in den großen Ligen pfeifen – und nicht irgendwo am Strand.“ Bekackten Nationalismus gibt es eben nicht nur in Deutschland…

Auf Spiegel Online legt Peter Ahrens ganz im Gegensatz dazu in einem gut recherchierten Artikel sehr gut dar, dass die Schiedsrichterleistungen bei dieser WM ausgesprochen gut und die Zahl der Karten und Platzverweise auffällig niedrig ist.