Ein torreicher Nachmittag in Westberlin

Tennis Borussia Berlin1. FC Magdeburg 3:4

Samstag, 22.05.2010, 13:30 Uhr, Momsenstadion, Regionalliga Nord (Männer)

Tennis Borussia Berlin IISV Blau-Weiss Hohen-Neuendorf II 5:0

Samstag, 22.05.2010, 14:30 Uhr, Julius-Hirsch-Sportanlage, Verbandsliga Berlin (Frauen)

Die Ausgangslage der ersten Mannschaft von TeBe war vor diesem Spieltag mehr als schwierig. Nicht nur sportlich drohte der Abstieg. Nach dem gestellten Insolvenzantrag und einer riesigen Deckungslücke im Etat steht der Verein vor einem Zwangsabstieg und einem finanziellen Scherbenhaufen. Passt irgendwie ganicht zum Schnöselimage, dafür aber ganz gut zu der eigenen Vergangenheit (Göttinger Gruppe lässt grüßen…). Bei den Gästen aus Magdeburg ging dagegen nur noch um gar nix mehr außer vielleicht darum, den mitgereisten vielleicht so hundert Anhänger_innen eine schöne Auswärtsfahrt zu bescheren, was dann am Ende auch geglückt sein dürfte.

Das Spiel selbst war sicher eines der spektakuläreren Sorte, wie das Ergebnis ja schon vermuten lässt. Nach einer ersten Hälfte, in der zuerst die Gäste verdient in Führung gingen (Vujanivic, 12. Minute) und dann TeBe ebenso verdient per Foulelfmeter ausgleichen konnte (Özgöz, 31. Minute), ging es in der zweiten Hälfte dann so richtig rund. Erst markiert Falkenberg in der 55. Minute die erneute Führung der Gäste, dann gleicht Beil nur sieben Minuten später wieder aus. Als Özgöz die Lila-Weißen dann in der 70. mit seinem zweiten Treffer sogar in Führung bringt, steht die Heimkurve Kopf. Doch am Ende kam alles anders und nach zwei Gegentoren (80. und 86. Minute), die beide während meines einzigen Gangs zur Toilette und zurück fielen, war der Jubel dann ganz bei den Magdeburger_innen, die sich dann sogar ausnahmsweise auch mal akkustisch bemerkbar machten. Sportlich gesehen war Magdeburg auch die klar bessere Mannschaft. TeBe, insolvenzbedingt ersatzgeschächt, kam ohnehin nur über den Kampf und den sehr heimfreundlichen Schiedsrichter ins Spiel. Der Sieg wäre schön und möglich gewesen, aber am Ende war die Niederlage schon okay und momentan wohl auch das kleinste Problem im Hause Tennis Borussia…

Highlight im Gästeblock war optisch die Palästinafahne am Zaun und akkustisch das laustärkemäßig jedoch eher zurückhaltende „Schalalalala Juden Juden“-Gesinge einzelner wenig modebewusster Nazis direkt neben der Fahne. So richtig getraut einen auf dicke Hose zu machen haben sie sich dann wohl doch nicht. Vielleicht haben die diversen Israelfahnen im Heimblock ihnen ja Angst eingeflößt. Passende Antwort aus dem TeBe-Block dazu: „Eure Ultras sind bei der Hamas!“

Nach dem Abpfiff ging es dann rüber zur nahen Julius-Hirsch-Sportanlage, der Heimat von TUS Makkabi, wo das zweite Frauenteam von TeBe im Spitzenspiel der Verbandsliga auf die Zweite von BW Hohen-Neuendorf traf. Als wir eintrafen war gerade Halbzeitpause und TeBe führte 1:0. In der zweiten Halbzeit machten die in Gold spielenden TeBelerinnen ordentlich Druck und kamen schnell zum 2:0. Da sich die Gäste abgesehen von der zurecht stinksauren Torhüterin immer mehr selbst aufzugeben schienen, war es auch kein Wunder, dass sie am Ende mit 0:5 nach Hause geschickt wurden. Vor allem das gekonnte Flügelspiel und aggressives Forechecking ließen die Hohen-Neuendorferinnen keine Chance. Nach diesem Sechspunktespiel hat es TeBe II selbst in der Hand, am Dienstag gegen SV Adler den Berliner Meisterinnentitel endgültig klar zu machen. Wenn sie so auftrumpfen wie am Samstag, sollte das wohl auch eher reine Formsache machen. Schön zu sehen, dass bei TeBe auch Teams gibt, die in der Tabelle auch dann oben steht, wenn sie nicht auf den Kopf gestellt wird.

Am Abend lief mir dann noch die Hälfte der Spielerinnen in der U1 über den Weg, offenbar gut gelaunt, ordentlich angeheitert und auf dem Weg vom Karneval der Kulturen in Kreuzberg nach irgendwo anders. Hoffentlich sind sie bis Dienstag wieder ausgenüchtert!

Ein Highlight des Tages für mich war auch der Bereitschaftsbulle von der 21. Hundertschaft auf dem Bahnsteig am S-Bahnhof Messe Süd, der die Ramones als Klingelton hatte. Das nennt sich dann wohl Postmoderne oder so…