Archiv für Mai 2010

„Reclaim the game. Kein Fußball mit FaschistInnen!“ (2005)

Ich spiegel hier mal einen älteren Text mit dem Titel „Reclaim the game. Kein Fußball mit FaschistInnen!“, damit er nicht irgendwann im digitalen Nirvana endet. Der Text ist zwar von 2005, doch leider noch immer weitgehend aktuell:

Fußball ist ein Massensport. Woche für Woche werden die Spiele von der Bundesliga bis zur Kreisklasse von Hunderttausenden besucht. Vor allem von den Fans in den Stehplatzkurven geht oft eine enorme Begeisterung aus. Hierbei steht jedoch nicht bei allen der Sport im Vordergrund.

Seit den 80er Jahren gehört es verstärkt zur Strategie von faschistischen Organisationen, wie der NPD oder den sog. „Freien Kameradschaften“, die Fußballszene zu unterwandern und in ihr neue Mitglieder zu „rekrutieren“. Während es sich hierbei anfangs um weitgehend isolierte Fanclubs wie z. B. die Berliner „Wannseefront“ handelte, sind Nazis seit etwa Mitte der 90er Jahre vielerorts fester Bestandteil der Fankurven.
Besonders Spiele der deutschen Nationalmannschaft sind Anziehungspunkt für faschistische Propaganda und Gewalt. Beim Länderspiel im polnischen Zabrze im September 1996 entrollten Bremer Nazis ein antisemitisches Transparent mit der Aufschrift „Schindler-Juden, wir grüßen euch!“. Hunderte griffen gezielt polnische OrdnerInnen und ZuschauerInnen an und zogen unter Absingen des Horst-Wessel-Liedes und Zeigen des Hitlergrußes zum Bahnhof ab. (mehr…)

Angriff auf TeBe-Wagen beim Karneval der Kulturen

Am gesterigen Pfingstsonntag ist der TeBe-Wagen auf dem Karneval der Kulturen in Kreuzberg von etwa vierzig Anhänger_innen von Hertha BSC von der Kneipe Kreuzkeller aus angegriffen worden. Hier die Pressemitteilung der Abteilung Aktive Fans von Tennis Borussia:

Am gestrigen Sonntag wurde auf dem Karneval der Kulturen der Wagen der Tennis Borussia-Faninitiative „We save TeBe“ von etwa 40 Hertha-Anhängern angegriffen. Diese hielten sich zuvor überwiegend in der Gastronomie „Kreuzkeller“ auf und bewarfen den Wagen zunächst mit Gläsern. Anschließend wurden die 20 am Umzug teilnehmende TeBe-Fans bedroht, homophob beleidigt und ein am Wagen befindliches Transparent wurde entwendet. Zur Dokumentation des Vorfalls durch die Polizei musste die Gruppe die Teilnahme am Umzug daraufhin unfreiwillig beenden.

Hierbei handelte es sich offenkundig um einen vorbereiteten und koordinierten Angriff, der nur aufgrund des deeskalierenden Verhaltens der TeBe-Fans ohne Verletzte beendet werden konnte.

Als TeBe-Fanabteilung verurteilen wir diesen feigen Überfall auf die friedliche Wagenbesatzung, unter der sich auch Frauen und Kinder befanden, auf das Schärfste. Wir fordern Hertha BSC auf, sich klar und deutlich von den entsprechenden Personen zu distanzieren und Konsequenzen zu ziehen. Hierfür stellen wir gerne das während des Angriffs entstandene Bildmaterial zur Verfügung.

Tennis Borussia ist als Verein mit jüdisch geprägter Geschichte und einer friedlichen Fanszene, die sich öffentlich deutlich gegen Rassismus, Homophobie und Antisemitismus positioniert, immer wieder Opfer von Übergriffen.

Mit freundlichen Grüßen,

Tennis Borussia, Abteilung Aktive Fans (TBAF)

Ein torreicher Nachmittag in Westberlin

Tennis Borussia Berlin1. FC Magdeburg 3:4

Samstag, 22.05.2010, 13:30 Uhr, Momsenstadion, Regionalliga Nord (Männer)

Tennis Borussia Berlin IISV Blau-Weiss Hohen-Neuendorf II 5:0

Samstag, 22.05.2010, 14:30 Uhr, Julius-Hirsch-Sportanlage, Verbandsliga Berlin (Frauen)

Die Ausgangslage der ersten Mannschaft von TeBe war vor diesem Spieltag mehr als schwierig. Nicht nur sportlich drohte der Abstieg. Nach dem gestellten Insolvenzantrag und einer riesigen Deckungslücke im Etat steht der Verein vor einem Zwangsabstieg und einem finanziellen Scherbenhaufen. Passt irgendwie ganicht zum Schnöselimage, dafür aber ganz gut zu der eigenen Vergangenheit (Göttinger Gruppe lässt grüßen…). Bei den Gästen aus Magdeburg ging dagegen nur noch um gar nix mehr außer vielleicht darum, den mitgereisten vielleicht so hundert Anhänger_innen eine schöne Auswärtsfahrt zu bescheren, was dann am Ende auch geglückt sein dürfte.

Das Spiel selbst war sicher eines der spektakuläreren Sorte, wie das Ergebnis ja schon vermuten lässt. Nach einer ersten Hälfte, in der zuerst die Gäste verdient in Führung gingen (Vujanivic, 12. Minute) und dann TeBe ebenso verdient per Foulelfmeter ausgleichen konnte (Özgöz, 31. Minute), ging es in der zweiten Hälfte dann so richtig rund. Erst markiert Falkenberg in der 55. Minute die erneute Führung der Gäste, dann gleicht Beil nur sieben Minuten später wieder aus. Als Özgöz die Lila-Weißen dann in der 70. mit seinem zweiten Treffer sogar in Führung bringt, steht die Heimkurve Kopf. Doch am Ende kam alles anders und nach zwei Gegentoren (80. und 86. Minute), die beide während meines einzigen Gangs zur Toilette und zurück fielen, war der Jubel dann ganz bei den Magdeburger_innen, die sich dann sogar ausnahmsweise auch mal akkustisch bemerkbar machten. Sportlich gesehen war Magdeburg auch die klar bessere Mannschaft. TeBe, insolvenzbedingt ersatzgeschächt, kam ohnehin nur über den Kampf und den sehr heimfreundlichen Schiedsrichter ins Spiel. Der Sieg wäre schön und möglich gewesen, aber am Ende war die Niederlage schon okay und momentan wohl auch das kleinste Problem im Hause Tennis Borussia…

Highlight im Gästeblock war optisch die Palästinafahne am Zaun und akkustisch das laustärkemäßig jedoch eher zurückhaltende „Schalalalala Juden Juden“-Gesinge einzelner wenig modebewusster Nazis direkt neben der Fahne. So richtig getraut einen auf dicke Hose zu machen haben sie sich dann wohl doch nicht. Vielleicht haben die diversen Israelfahnen im Heimblock ihnen ja Angst eingeflößt. Passende Antwort aus dem TeBe-Block dazu: „Eure Ultras sind bei der Hamas!“

Nach dem Abpfiff ging es dann rüber zur nahen Julius-Hirsch-Sportanlage, der Heimat von TUS Makkabi, wo das zweite Frauenteam von TeBe im Spitzenspiel der Verbandsliga auf die Zweite von BW Hohen-Neuendorf traf. Als wir eintrafen war gerade Halbzeitpause und TeBe führte 1:0. In der zweiten Halbzeit machten die in Gold spielenden TeBelerinnen ordentlich Druck und kamen schnell zum 2:0. Da sich die Gäste abgesehen von der zurecht stinksauren Torhüterin immer mehr selbst aufzugeben schienen, war es auch kein Wunder, dass sie am Ende mit 0:5 nach Hause geschickt wurden. Vor allem das gekonnte Flügelspiel und aggressives Forechecking ließen die Hohen-Neuendorferinnen keine Chance. Nach diesem Sechspunktespiel hat es TeBe II selbst in der Hand, am Dienstag gegen SV Adler den Berliner Meisterinnentitel endgültig klar zu machen. Wenn sie so auftrumpfen wie am Samstag, sollte das wohl auch eher reine Formsache machen. Schön zu sehen, dass bei TeBe auch Teams gibt, die in der Tabelle auch dann oben steht, wenn sie nicht auf den Kopf gestellt wird.

Am Abend lief mir dann noch die Hälfte der Spielerinnen in der U1 über den Weg, offenbar gut gelaunt, ordentlich angeheitert und auf dem Weg vom Karneval der Kulturen in Kreuzberg nach irgendwo anders. Hoffentlich sind sie bis Dienstag wieder ausgenüchtert!

Ein Highlight des Tages für mich war auch der Bereitschaftsbulle von der 21. Hundertschaft auf dem Bahnsteig am S-Bahnhof Messe Süd, der die Ramones als Klingelton hatte. Das nennt sich dann wohl Postmoderne oder so…


Auswärtssieg im Neuköllner Süden

Roter Stern Nordost BerlinKiez 44 II 5:0

Samstag, 27.03.2010, 10:00, Stadion Britz-Süd KR2, Freizeit-Bezirksliga Staffel 1 (Männer)

Der Weg ist weit von Mitte bis in den südlichen Teil des Bezirks Neukölln, aber immerhin fährt vom Bahnhof Hermannstraße ein Metrobus bis fast direkt vor den Ground. Pünktlich zum Spiel kamen dann auch die ersten Supporter_innen von Roter Stern mitsamt Transi und Fahne an und mußten ersteinmal verwundert feststellen, dass Kiez 44 II irgendwie viel zu gut spielten für ein Team das mit der zweitschlechtesten Abwehr der Liga auf dem vorletzten Tabellenplatz steht. Ein Local klärte uns auf und sagte uns, dass heute mehrere Spieler der ersten Mannschaft mitspielten. Doch all das fußballerische Können einiger der Akteure in den Trikots im Inter Mailand-Stil kann nicht verhindern, dass die Sterne nach einer herrlich und mit Ballgefühl gelösten Eins-gegen-Eins-Situation verdient mit 1:0 in Führung gingen. Vor allem der linke Flügel der Gäste iwar enorm stark und sorgte ein ums andere Mal für Gefahr im gegnerischen Strafraum. Da half es auch nichts, dass bei den Neuköllnern irgendwann in der ersten Halbzeit ein Feldspieler und Torhüter die Plätze tauschten. Nach einer recht ausgegleichenen ersten Hälfte wechselten dann zur Halbzeit auch die Roter Stern-Anhänger_innen die Spielfeldseite und blickten jetzt in die langsam hinter den Bäumen versinkende Sonne. Welch Fußballidyll!

Die zweite Hälfte begann mit einigen guten Offensivbemühungen der nun deutlich aglier und aggressiver zu Werke gehenden Kiezianer. Doch bevor es ihnen gelang ihre durchaus vorhandenen Chancen in Zählbares zu verwandeln, erzielte der Rote Stern durch einen schnell abgeschlossenen Konter das 2:0. Von diesem zweiten Gegentreffer offenbar hart getroffen, gaben sich Teile der Kiez-Abwehr zunehmend auf, und so ist es kein Wunder, dass die Sterne durch zwei weitere schön herausgespielte Treffer und einen sicher durch den Torhüter verwandelten Elfmeter am Ende mit 5:0 als deutlicher Sieger vom mittlerweile von Flutlicht beleuchtenen Platz gingen. Wenn nicht Sascha, der bullige Torhüter der Heimmannschaft gewesen wäre, der mindestens drei- oder viermal glänzend auf der Linie parierte und dafür selbst von den Gästefans anerkennenden Applaus erntete, wäre die Niederlage sicher noch um einiges deutlicher ausgefallen. Am Ende waren die Sterne einfach mindestens eine Klasse besser.

Nach diesem Sieg kann der Rote Stern dank des enorm guten Torverhältnisses von +69 bereits am kommenden Samstag zuhause gegen Fußballfan Club Berlin den Aufstieg quasi klarmachen. Das viel spannendere Rennen um die Meisterschaft jedoch wird wohl erst in ein paar Spieltagen entschieden werden, auch wenn der einzige verbleibene Konkurrent Hertha 03 II bei einem Spiel mehr bereits vier Punkte Rückstand hat. Die zur Zeit spandenste Frage ist deshalb vielleicht zur Zeit doch, wann endlich die Hundert-Tore-Schallmauer durchbrochen wird. Neun Tore fehlen noch…

Gelungene Auswärtsfahrt ins Grüne, und schön auch, das jetzt rund ums Stadion jede Menge Aufkleber der Aktion „Neukölln gegen Nazis“ hängen…


05.06. Respect Gaymes in Berlin

Am 5. Juni finden in Berlin wieder die Respect Gaymes statt. Die Sportveranstaltung mit Fußballturnier unter dem Motto „Zeig Respekt für Schwule und Lesben!“ findet bereits zum fünften Mal statt und bietet neben dem gepflegten Rasensport noch jede Menge andere Aktivitäten und Berieselungen von Streetball über Infostände bis hin zu Livemusik (u.a. Paula).

Das ganze findet im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Prenzlauer Berg statt. Ausführliche Infos und einen Timetable gibt es auf der Seite des LVSD Berlin-Brandenburg.

Als besonderen Leckerbissen gibt es um ca. 10 Uhr eine Eröffnungsrede von Bundesfamilienministerin und CDU-Ganzrechtsaußen Kristina Schröder. Schröder stellt in vierlerlei Hinsicht ein Bindeglied zwischen rechtem CDU-Flügel und der Neuen Rechten dar und zitiert auch schon gerne mal die Junge Freiheit… [Artikel im Antifaschistischen Infoblatt]

Die veranstaltung könnte also gleich in mehrerer Hinsicht eine Reise wert sein!


Turniere auf St. Pauli

An den nächsten zwei Wochenenden finden im Umfeld des FC St. Pauli gleich zwei interessante Fußballturniere statt:

Am kommenden Wochenende, vom 13. bis zum 16.05., können alle, die nicht beim Macker Massaker im AZ Mülheim am Start sind, zum Antiraturnier nach Hamburg fahren. Bei dem internationalen Einladungsturnier werden unter anderem Teams aus Leipzig, Lüttich, Leeds, Kopenhagen, Winterthur, Glasgow, Bilbao und Athen an Bord sein. Das kann gar nicht schlecht werden!

Eine Woche später, am 23.05., dann findet das internationale Soli-Fußballturnier der Frauen- und Mädchenfußballabteilung des FC St. Pauli statt. Hier werden neben anderen Arminia Bielefeld, Union Berlin, Republica Internationale aus Leeds und Kickers Emden mit dabei sein. Das Turnier findet im Millerntor-Stadion statt und der Erlös geht an Old is Gold Slum Youth, Kenia. Am Abend gibt es dann noch eine feine Party mit Tombola dazu im Hafenklang. Yo!


Schade Magdeburger Jungs…

FC St. PauliSC Paderborn 1:2

Sonntag, 09.05.10, 15:00 Uhr, Millerntor-Stadion, 2. Bundesliga (Männer)

Besser als so kann die Fahrt zu einem Fußballspiel in einer anderen Stadt eigentlich beginnen. Schon auf dem Weg zur Abtrampe in Tegel treffe ich ein bekanntes Gesicht aus der Hansestadt, das ich zuletzt im Februar in Dresden gesehen hatte, und habe damit einen Tramppartner gefunden mit dem auch das ewige Warten an der Jet-Tankstelle zu einem angenehmen Erlebnis wird. Die Fahrt selbst mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter im Fachbereich Soziale Arbeit an der HAW in Hamburg, der gerade von einem Free Jazz-Konzert kommt ist dann auch angenehm kurzweilig und die Diskussionen über Kritische Theorie, Politik und die Welt bilden einen willkommenen Gegensatz zu all dem fußballerischen Stumpfsinn, der uns in Hamburg erinnern würde. Dass wir dann direkt vor der Eisbande rausgelassen werden und ich mir erstmal zwei Kugeln veganes Eis (Schniggers und Mousse au Chocolat) reinhaue, ist dann schließlich die Kröhnung und das Ende des relativ fußballfreien Tages. Ab jetzt regiert König_in Fußball!

Vor dem Jolly Roger die Kolleg_innen mit dem Ticket eingesammelt, die Tasche untergestellt und dann los in die Gegengerade. Ich war echt lange nicht mehr bei einem Heimspiel… Hinter uns diskutieren noch ältere Semester über „Größen“ der Geschichte des Vereins wie Kay Stisi oder Hysen Zmijani. Das waren noch Zeiten! Aber sicher nicht die besten… Das Spiel selbst ist zerfahren und das Heimteam spielt, als hätte es die Woche über alkoholunterstützt durchgefeiert. Es häufen sich beschissene Abspielfehler und ohne die blitzsauberen Reflexe von Benedikt Pliquett wäre die Niederlage wohl verdientermaßen noch höher ausgefallen. Schade bis bitter, wo doch Lautern zeitgleich torlos gegen Augsburg spielt und ein Sieg die Meisterschaft bedeutet hätte…

Noch schader ist allerdings, dass unter diesen Umständen der Funke zur Party nicht wirklich gleich zünden wollte. Schon während des Spiels war es auf den Rängen eher ruhig und alles andere als ein Millerntor Roar gewesen und auch nach dem Abpfiff war der Jubel eher höflich als frenetisch. Dabei hatte die Mannschaft sich echt viel Nettes ausgedacht. Es gab ein Best Of-Video unterlegt mit „Looking for freedom“ von David Hasselhoff, ein Freunschaftspiel St. Pauli gegen St. Pauli in Trikots von Erstligavereinen inklusive perfekter Jarolim-Persiflage und viel Gesinge, Getanze usw. Die Aufstiege gegen Nürnberg und Homburg waren da von der Emotionalität her schon irgendwie intensiver. Nächstes Mal machen wir es einfach erst wieder am letzten Spieltag klar… Der emotionalste Moment, der mir echt die Tränen in die Augen getrieben hat, war, als Walther Frosch, vom Krebs gezeichnet und im Rollstuhl, vor der Gegengerade auf dem Weg nach draußen anhielt und winkte. Vielleicht habe ich ja was falsch verstanden, aber das ist mir zehnmal wichtiger als jeder Aufstieg…

Nach dem Stadion ging es dann noch mal eine Runde durch den Stadtteil inklusive Kleine Pause, Jolly Roger, Fanladen und viele alte Bekannte treffen, bevor es dann zur offiziellen Party ins Schmidt’s Tivoli ging, wo das Team sich gerade auf dem Balkon von zigtausenden Fans auf dem Spielbudenplatz feiern ließ. Alle waren sie da: Die Mannschaft, die Menschen hinter den Kulissen, Bela B., Negeger Kalle (der jetzt nur noch Kalle heißt), den Skinheads St. Pauli und sonst noch allerlei Leute, die sich über Astra, Wasser und Prosecco für lau hermachten. Ziemlich verrückt, wenn auch musikalisch grenzwertig auch die Party der Spieler selbst. Gelungener Ausflug in die Hansestadt…

Nachtrag: Ich persönlich finde erste Liga ja scheiße. Noch mehr unpolitische und unkritische Idiot_innen, viel zu große Stadien und noch mehr Kommerz. Dazu steigt auch die zweite Mannschaft höchstwahrscheinlich aus der Regionalliga ab, und statt fünf Mal St. Pauli in Berlin wie in diesem Jahr gibt es dann gar kein Spiel mehr in der Hauptstadt. Und auf so homophobe Kackbratzen, wie die Typen, die mit Astrakasten in der Hand „Bruno nimmt die Troche ran…“ lallend vor dem Spiel durch die Detlev-Bremer-Straße zogen, kann ich auch mal doppelt verzichten. Scheiß Mackerscheiße! Und das wird in der ersten Liga eher schlimmer als besser werden…


Das hier ist Fußball

Türkiyemspor BerlinChemnitzer FC 2:1

Freitag 07.05.10, 19:00 Uhr, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, Regionalliga Nord (Männer)

Endlich mal wieder ein Spiel, das wenigstens teilweise unter Flutlicht ausgetragen wird und dann auch noch ein so wichtiges. Immerhin geht es für Türkiyemspor derzeit in jedem einzelnen Spiel um den Klassenerhalt. Für die Chemnitzer_innen geht es derzeit allerdings nicht einmal mehr um irgendwelche vergoldeten Südfrüchte. Aufsteigen können sie nicht mehr trotz respektablen dritten Platzes, absteigen können sie noch viel weniger. Kein Wunder also, dass nicht mehr als maximal drei Dutzend Anhänger_innen des CFC den Weg in den Prenzlauer Berg gefunden haben. Der Support hielt sich entsprechend in Grenzen und, dass bißchen, was der Wind von den zwei Trommeln und fünf, sechs Stimmchen hinüber zum Heimblock wehte, war auch eher humoristischer Natur als wirkliche Anfeuerungsrufe. Sprüche wie „Alles außer Fußball ist scheiße“ erinnern doch eher an den von mir so lange ersehten „neutralen Support“, der sich einfach des gepflegten Rasensports erfreut, aber das mit Inbrunst…

Wie jeder Saft zwei Seiten hat, so hat auch jedes Fußballspiel, das nicht vorzeitig abgebrochen wird, zwei Halbzeiten, in diesem Falle zwei äußerst unterschiedliche. Die erste Hälfte war so frei von Höhepunkten, dass jedes Wort über sie eigentlich schon zu viel wäre. Die zweite Hälfte war dann deutlich besser. Türkiyemspor machte Druck und ging durch zwei Tore von Lemcke und Ergiligür in nur acht Minuten (61. und 69. Minute) verdient und sehenswert in Führung. Als dann Chemnitz in der 75. Minute durch einen vollkommen abgefälschten Schuß von Peßolat, der irgendwie so bogenlampenmäßig, kanpp die Stratosphäre streifend irgendwie ins Tor segelte, der Anschlußtreffer gelang, wurde es dann nochmal richtig spannend, denn der CFC ließ jetzt immer wieder die Qualitäten aufblitzen, die ihren gehobenen Tabellenplatz rechtfertigen. Am Ende konnten die Blauen jedoch den Vorsprung knapp, aber verdient über die Zeit retten. Der Rest war Jubel. Vor, hinter und auf dem Zaun.

Da die direkte Konkurenz jedoch nicht eben für Türkiyemspor spielte, steht der Verein noch immer auf einem Abstiegsplatz nur einen Platz hinter Tebe auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. Es muß doch irgendwie zu schaffen sein, dass beide sympathischen Berliner Teams in der Regionalliga bleiben. Eine Liga tiefer weht ja nazimäßig ein noch viel krasserer Wind. Das muss ja nicht sein…


St. Pauli vor dem Aufstieg und in der Presse

Am Sonntag wird aller Vorraussicht nach der Aufstieg des FC St. Pauli in die Beletage des deutschen Fußballs beim Heimspiel gegen Paderborn besiegelt werden. Unterdessen rauscht es gewaltig im Blätterwald. Aufstieg des „etwas anderen Vereins“ zum hundertjährigen Jubiläum ist einfach eine zu gute Story, als dass sie links liegen gelassen werden könnte. Wo auch immer mensch hinsieht: St. Pauli. St. Pauli in der TAZ, St. Pauli in der Bild, St. Pauli im Tagesspiegel, St. Pauli überall

Besonders gelungen sind die wenigsten der Artikel. Ausführlicher und besser macht es Spiegel Online. Das Highlight ist aber sicher die aktuelle Ausgabe des Ballesterer aus Österreich, in der der FC St. Pauli gleich zum Titelthema erkoren wurde. Wirklich lesenswert.

Schönster O-Ton zu dem ganzen Geschehen kommt vom „Erfinder der Totenkopffahne“ Doc Mabuse vom Gaußplatz:

„St. Pauli kannste nicht einfach abschütteln, keine Frage, das geht nicht.“

Eine Erfahrung, die ich auch schon machen mußte…

Lichterfelde Ost bis Lichterfelde West

TUS Makkabi BerlinLichterfelder FC II 0:1

Mittwoch, 05.05.10., 18:30 Uhr, Julius-Hirsch-Sportanlage, Landesliga Berlin Staffel 1 (Männer)

An einem Tag mit strahlend blauem Himmel aber viel zu niedrigen Temperaturen für diese Jahreszeit zog es mich mal wieder weit hinaus in den tiefsten Westen Berlins. Vom S-Bahnhof Messe Süd ging es vorbei am Momsenstadion hin zur Julius-Hirsch-Sportanlage. Da ich allerdings zuerst zum falschen Sportplatz, nämlich der Hans-Rosenthal-Sportanlage gleich nebenan, spaziert bin, kam ich nicht wie geplant eine Viertelstunde vor sondern genau pünktlich zum Anpfif an. Ohnehin scheint die ganze Gegend dort ein einziges Sportmekka zu sein. Außer mir hatte jede Person auf der Straße Sportklamotten an oder eine Sporttasche über der Schulter. Überall wurde Tennis gespielt, Hockey trainiert oder Bogen geschossen, und auch irgendein Team von Nachwuchsfußballerinnen von Tennis Borussia war grad beim Training. Ebenso wie einige ältere Herren vom SC Charlottenburg. Ganz schön was los da…

Das Spiel war auch durchaus flott und unterhaltsam. Makkabi war in der ersten Hälfte klar feldüberlegen, kam aber dank des aggressiven und effektiven Forecheckings von Lichterfelde trotzdem zu wenigen Chancen, die dann auch noch alle relativ kläglich vergeben wurden. Lichterfelde kam allenfalls durch Konter vor das Tor von Makkabi und das auch nur sehr, sehr selten. Nach der Pause waren dann beide Teams wie ausgewechselt. Lichterfelde kam hellwach aus der Kabine und wirkte wie aufgedreht, während die Spieler von Makkabi Baldriantee getrunken zu haben schienen. Das junge Team in Rot aus Lichterfelde erarbeitete sich Chance um Chance, scheiterte jedoch ein ums andere Mal am eigenen Unvermögen oder an der wirklich guten Leistung von Makkabis Keeper. Rund zwanzig Minuten vor Schluß kam es dann doch zu dem zu diesem Zeitpunkt nicht unverdienten Führungstreffer für die Gäste. Allerdings nach einem eher fragwürdigen Freistoß… In der Folge bemühte sich Makkabi redlich um den Ausgleich und hatte vor allem in den letzten fünf bis zehn Minuten mehrere gute Gelegenheiten. Letztlich blieb es jedoch aufgrund der nicht vorhandenen Chancenverwertung der Blau-Weißen bei einem alles in allem sehr glücklichen Auswärtssieg für den Lichterfelder FC.

Nach dem Schlußpfiff machten sich die meisten der rund dreißig Zuschauer_innen schnell auf den Heimweg. Neben der Enttäuschung über die unnötige Niederlage spielte dabei sicher auch die einsetzende Dämmerung und die rapide sinkende Temperatur eine gewichtige Rolle. Für Lichterfelde bringt der heutige Sieg drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt, während Makkabi von Platz 3 auf Platz 6 abgerutscht ist und jetzt nächste Woche ausgerechnet in Altglienicke vor einem echten Sechs-Punkte-Spiel steht.

Notiz am Rande: Am Spielfeldrand wurde unter den Anhänger_innen von Makkabi auffällig viel Russisch gesprochen. Ob Brutos Brutaloz („…geboren in Moskau, in der Nähe von Kreml…“), der von Youtube bekannte Boss von Lichterfelde, davon jetzt enttäuscht wäre?!