Erneut Nazistress bei einem Spiel von Roter Stern Leipzig

Im Rahmen des Auswärtsspiels von Roter Stern Leipzig beim SV Mügeln-Ablaß kam es erneut zu Zwischenfällen mit neonazistischem Hintergrund. Das Wort Mügeln ruft natürlich sofort ungute Erinnerungen wach. Die meisten werden sich sicher noch an die pogromartigen Ausschreitungen im Umfeld eines Stadtfestes im August 2007 erinnern. Andere Vorfälle wie eine gezielte Menschenjagd auf „nichtrechte“ Jugendliche im April 2009 oder der Angriff auf das Vereinshaus „Vive Le Courage“ im August 2009 sind weniger bekannt, sprechen aber in Verbindung mit den aktuellen Vorfällen für gefestigte und gewaltbereite lokale Nazistrukturen, denen endlich aktiv entgegen getreten werden muss.

Hier eine Presseerklärung von Roter Stern Leipzig:

Das Bezirksklassespiel SV Mügeln-Ablaß gegen Roter Stern Leipzig `99 wurde am 24.04.2010 durch den Schiedsrichter in der 80. Spielminute abgebrochen. Grund hierfür waren andauernde antisemitische Schmähungen seitens der Mügelner Anhänger_innen. Seit Spielbeginn riefen diese Parolen wie „Ein Baum, ein Strick, ein Judengenick“ und „Eine U-Bahn bauen wir, von Jerusalem bis nach Auschwitz“. Daneben gab es auch homophobe und nazistische Äußerungen: „Schwule, Schwule, Schwule“, „Scheiß Schwuchteln“, „Zecken vergasen“ und „Frei, Sozial und National“.

Wir sind entsetzt über die offen zu Tage tretende menschenverachtende Gesinnung Mügelner Anhänger_innen. Genannte Äußerungen wurden auch seitens Vereinsvertreter_innen nicht unterbunden.

Die Tatsache, dass Mügelner Verantwortliche den Roten Stern für den Spielabbruch verantwortlich machen wollen, beweist eine völlige Fehleinschätzung der Situation. Ausdruck dessen war die Durchsage des Stadionsprechers über die Lautsprecheranlage, der Rote Stern hätte feige gehandelt.

Darauf angesprochen, meinte er, man müsse über so etwas hinweg schauen. Oliver Kahn wäre schließlich auch mit Bananen beworfen worden und hätte darüber nur gelacht.

Bereits Mitte der ersten Halbzeit wurde das Spiel längere Zeit unterbrochen. In unserem Fanbereich kam es zu diesem Zeitpunkt zu einem aus unserer Sicht unverhältnismäßigen Polizeieinsatz, so dass mehrere Personen auf das Spielfeld flüchteten. Bei diesem Einsatz wurden mindestens fünf Anhänger_innen des Roten Stern verletzt. Noch vor Ort wurden mehrere Anzeigen gegen Polizeibeamte erstattet.

Eine zweite Presseerklärung, erschienen am Folgetag, findet sich [hier].