Fußball ist scheiße! Manchmal…

1. FC Union BerlinFC St. Pauli 2:1

Samstag, 17.04.2010, 13:00 Uhr, Stadion an der Alten Försterei, 2. Bundesliga (Männer)

Da ich zu diesem Spiel zusammen mit anderen angereist bin, bin ich auch tatsächlich zum erstem Mal überhaupt in diesem Kalenderjahr pünktlich zum Anpfiff im Stadion gewesen. Leider waren wir aber trotzdem zu spät für eine gemeinsame Anreise mit dem Mob aus Hamburg. Da soll die Polizei ja St. Pauli-Lieder aus ihrem Lautsprecherwagen gespielt haben. Das hätte ich ja schon gerne miterlebt…

Im Stadion angekommen, war ich dann auch erstmal etwas erschlagen von den schieren Menschenmassen. Ich gehe ja sonst eher zu Spielen in unteren Spielklassen, zu denen eher so zehn bis tausend Leute gehen und nicht neunzehntausend, wie an diesem Tag in der Alten Försterei. Als wirklich angenehm empfinde ich so viele Menschen auf einem Haufen ja nicht… Als noch unangenehmer empfand ich jedoch das große Transpi am Zaun der Haimkurve, auf dem in großen Lettern „Mit Stolz im Herzen kämpfen für Berlin“ stand. Da zitiere ich doch gerne mal wieder die Kassierer, die im Intro zu ihrem „Bochumer Asseln-Lied“ so schön sagen: „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz“. Und dass jetzt unbedingt Union Berlin repräsentieren würde, halte ich auch für eine äußerst steile These. Für mich steht Union für Köpenick, Heimat der NPD-Bundeszentrale, wo nach dem Spiel auch gerne mal die Hell’s Angels vor dem Stadion auftauchen…

Aber eigentlich ging es dann ja doch auch um Fußball, was ja in den oberen Spielklassen leider nicht mehr unbedingt eine Selbstverständlichkeit zu sein scheint. St. Pauli begann furios, hätte nach neun Minuten schon drei Tore erzielt haben können, doch in der zehnten Minute stand es dann nach einem wirklich gut geschossenen Freistoß von Mattuschka plötzlich 1:0 für Union. Ein Tor, dass den Spielverlauf bis dahin auf den Kopf stellte, wie es so schön heißt. Ich habe jedoch selten ein Team gesehen, dass sich von einem Rückstand so wenig hat beeindrucken lassen, wie St. Pauli an diesem Tage. Die Jungs in Braun spielten einfach weiter ihr Spiel und wurden in der 19. Minute mit dem mehr als verdienten Ausgleich durch Takyi belohnt. Die Kurve tobt und alles ist wieder auf Ausgangssituation. Den Rest der ersten Hälfte dominiert St. Pauli und erzielt in der 43. Minute sogar den hochverdienten Führungstreffer, der jedoch vom völlig miserablen Schiedrichter Kinhöfer wegen eines herbeihalluzinierten Stürmerfouls nicht gegeben wurde. Ohnehin schien sich der Unparteiische doch arg von der Heimkulisse beeindrucken. Anders lässt sich nicht erklären, weshalb er Fehlentscheidungen zu Lasten von St. Pauli gleich im Dutzend traf. Dem Schiedsrichter die Schuld für die Niederlage des FC zu geben, wäre jedoch falsch und blauäugig, denn was die Mannschaft in der zweiten Hälfte bot, war einfach weniger als zu wenig. Abgesehen von Hain, der mindestens zweimal großartig parierte, schienen sich nur Boll, Lehmann und Morena wirklich mit ganzem Herzen gegen die immer stärker auftrumpfenden Unioner zur Wehr setzen zu wollen. Ob die anderen nicht wollten oder nicht konnten wissen sie allein. Fakt ist, dass die Berliner dieses Spiel gewonnen haben, weil sie am Ende diejenigen waren, deren Siegeswillen größer und unbedingter war. Die St. Paulianer waren eigentlich die bessere Mannschaft, technisch wie taktisch, aber sie hatten einfach weniger Biss. Warum Stanislawski nicht schon früher als eine knappe Viertelstunde vor Schluß frische Beine ins Spiel gebracht hat (und warum er nicht Sako gebracht hat, der es ermöglicht hätte, leicht mit langen Bällen das Mittelfeld zu überbrücken und somit schneller und öfter zu Torchancen zu kommen), wird wohl auch sein Geheimnis bleiben. Vielleicht wollte er damit den Spielern auf dem Feld sein Vertrauen beweisen. Was auch immer ihn bewogen haben mag, in meinen Augen hätte er sich die Einwechslungen zu einem so späten Zeitpunkt auch sparen können. Der gleiche Doppelwechsel oder vielleicht gleich alle drei Wechsel auf einmal in der 60. Minute und St. Pauli hätte vielleicht noch einmal neuen Schwung bekommen, der hätte ausreichen können, um das Ruder noch einmal rumzureißen. So aber war der Sieg für Union vollkommen verdient. Leider…

Auch auf den Rängen in der Gästekurve fehlte es irgendwie an bedingungsloser Unterstützung. Ich will hier jetzt nicht das alte Faß „Ultra gegen Englischer Stil“ aufmachen, aber irgendwie hatte ich über weite Strecken der zweiten Hälfte das Gefühl, dass die Mehrzahl der Menschen um mich herum entweder nicht wahrgenommen hat, wie nahe unser magischer FC am Abgrund steht, oder es vielleicht auch einfach nicht wahrhaben wollte. Mir schien es fast so als seien da einige schon mit dem Kopf bei der Aufstiegsfeier. Wo war der verdammte Roar, der ein Team nach vorne peitschen kann? Wo war die Energie, die sich von den Rängen auf das Spielfeld überträgt? Wo war der Support, der die Unioner denken lässt, sie seien bei einem Auswärtsspiel in der Hölle?

Jetzt geht natürlich das große Rechnen los. Augsburg nur noch einen Punkt hinter St. Pauli. Drei Spieltage noch. Ich bin ja eh kein Freund der ersten Liga und habe eigentlich gar keine Lust darauf, St. Pauli in der ersten Liga zu sehen, aber ich würde der Mannschaft und dem Anhang und dem Stadtteil halt den Aufstieg im Jubiläumsjahr mehr als gönnen. Es gibt kein Team, dass den Aufstieg mehr verdient hätte, denn St. Pauli hat über weite Strecken der Saison begeisternden Fußball gespielt und die Spieler haben sich den Erfolg wirklich hart erarbeitet. Manche von ihnen waren schon in der Regionalliga dabei, und auch das Trainergespann ist so sehr mit dem Club verwachsen wie sonst im Profibereich höchstens noch Thomas Schaaf bei Werder Bremen. Sie müssen es aber aus eigener Kraft schaffen und die letzten drei Spiele gewinnen. Das wird hart werden, vor allem in Fürth, aber das team hat das Potential. Es geht jetzt nur noch um eines: Um den Kopf! Ich hoffe Stanislawski und Trulsen und all die anderen werden die richtigen Worte finden, um die Köpfe der Spieler frei zu kriegen, damit sie befreit aufspielen können und sich nicht weiter selbst blockieren mit all dem Erwartungsdruck, der sich in ihnen aufstaut. Drei Spiele noch. Dreimal Hurrafußball und die Sache ist geritzt. Mit hängenden Mundwinkeln ist noch niemand aufgestiegen.


13 Antworten auf „Fußball ist scheiße! Manchmal…“


  1. 1 Ete 18. April 2010 um 23:25 Uhr

    Zitat:
    „für mich steht Union für Köpenick, Heimat der NPD-Bundeszentrale, wo nach dem Spiel auch gerne mal die Hell’s Angels vor dem Stadion auftauchen…“

    Das ist entweder unwissend, oder absichtsvoll.
    Das unzählige Unioner mit Schals und Fahnen bei der Anti-NPD-Demo in Köpenick waren, der Verein sogar dazu aufrief und unser Stadionsprecher ein kämpferisches Eisern Union vom Demo-Wagen rief ist Dir entgangen? (Ich laß jetzt mal die PAF mit Ihrer Seite „Schöner Eisern ohne Nazis“ und zahllose andere Beispiele weg)
    Oder willst Du so etwas nicht sehen und nur Deine Feindbilder pflegen?
    Sehr schade.

    Grüße
    ete

    PS.:
    und natürlich haben wir auch ein paar schwarze Schafe in unseren Reihen, traurig, aber sie sind in einer verschwindenen Minderheit und werden regelmäßig angezählt.

  2. 2 fussballvonlinks 19. April 2010 um 1:40 Uhr

    mir ist bewusst, dass union kein rechter verein ist, aber es ist halt köpenick und köpenick ist ungefähr so berlin, wie bergedorf hamburg ist. mehr wollte ich damit nicht sagen. die npd-parteizentrale wollte ich nur irgendwo erwähnt haben, weil sie doch so ungefähr das interessanteste auf dem ganzen weg zum stadion war…

  3. 3 jubelperser 3.31 19. April 2010 um 10:35 Uhr

    mit sako wäre es leicht gewesen, mit langen bällen das mittelfeld zu überbrücken? ja ne, is klar.
    der gewinnt ja auch duelle in der luft am laufenden band.

  4. 4 Sid 19. April 2010 um 11:55 Uhr

    Schon traurig wenn das für dich das Interessanteste war.
    Berlin ist von der Fläche größer als New York, da gibt es viele Bezirke die am „Rand“ sind. 1.FC Union BERLIN aus Köpenick.

  5. 5 omi 20. April 2010 um 0:15 Uhr

    Man,bist du kleinkariert. Wie kann man denn son doofen Vergleich mit dem Bezirk Köpenick und der npd machen.Ich Prenzelberger wünsch dir noch viel Spaß im Momsenfriedhof beim Erdbeeren streicheln bei dem Reichschweinen;-). Ich mag die Farbe der Beeren sehr gut wenn sie Reif sind und keene braunen Stellen haben. Bitte überlege dir mal zum nächsten mal nen tolleren Text um uns mies zu machen.

  6. 6 Helge 20. April 2010 um 15:10 Uhr

    „Für mich steht Union für Köpenick, Heimat der NPD-Bundeszentrale, wo nach dem Spiel auch gerne mal die Hell’s Angels vor dem Stadion auftauchen…“

    „die npd-parteizentrale wollte ich nur irgendwo erwähnt haben, weil sie doch so ungefähr das interessanteste auf dem ganzen weg zum stadion war…“

    Das verstehe ich alles nicht – und da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens. Erstens kommt man auf dem Weg zur Alten Försterei gar nicht an der NPD-Zentrale vorbei: weder wenn man mit der S-Bahn noch mit dem Auto über Bahnhofstr. bzw. Mahlsdorfer Str. kommt.
    Zweitens ist der Hauptsitz der Berliner Hells Angels nicht in Köpenick sondern – tätärätä – nirgendwo anders als in Charlottenburg.
    Drittens und gar nicht zuletzt. St. Pauli sollte die verdiente Niederlage als gutes Omen nehmen: das letzte mal, als St. Pauli bei Union verlor, stiegen sie in derselben Saison auf. Und das würde ich Ihnen wünschen!

  7. 7 keano 21. April 2010 um 0:27 Uhr

    Dass Köpenick nicht ganz Berlin repräsentiert, liegt auf der Hand, dass für Dich der 1.FC Union nur für die „Heimat der NPD-Bundeszentrale“ und irgendwelche (mir trotz Dauerkarte nie begegnenden) Hell’s Angels steht, ist mit „engstirnig, uninformiert und vorurteilsbelastet“ nur vorsichtig umschrieben.
    Naja, viele andere hatten einen schönen Tag (auch obwohl sie dem unterlegenen Team anhängen), aber Du machst Dir das schon.

  8. 8 keano 21. April 2010 um 1:47 Uhr

    Und noch eens: erstes TeBe-Heimspiel am 27.03.2010 aber das Vereinswappen janz oben im Blog (die pseudokyrillische Fonts kommentiere ich lieber nicht) „is ooch richtisch geil“…

  9. 9 fussballvonlinks 21. April 2010 um 11:40 Uhr

    @ keano: sobald ich wieder photoshop hab, mach ich nen banner, der besser aussieht und ganz ohne wappen auskommt. das hier ist nur ein notbehelf und deine kritik ist nicht von der hand zu weisen.

    @ das ganze mit köpenick: vielleicht sind wir nicht den kürzesten weg gegangen, aber wir haben die straße mit der npd-zentrale gekreuzt. das ist uns aufgefallen und war abegesehen von polizeiwannen von der f3-hundertschaft (es gibt ne band, die f three heisst…) das interessanteste auf dem ganzen weg in meinen augen (ja, beim zu tebe fahren sieht mensch noch sehr viel weniger…). und die hell’s angels sind mit rund 20 motorädern etwa eine stund enach spielende am stadion auf dem bürgersteig konvoi fahrend angekommen und wurden von nem polizisten mit gezogener waffe angehalten.

    dass niemand was gegen mein „köpenick ist das bergedorf berlins“ sagt, bestätigt mich dann aber doch in meiner ansicht ;)

  10. 10 der Zimmi 21. April 2010 um 15:20 Uhr

    Ach Mensch, das war ja wieder mal ein netter Beitrag,um den Rest der Welt zu überzeugen, das Union, Köpenick und die Alte Försterei der Vorhof der Hölle sind.
    Aber zugegeben:
    Es ist schon sehr verdächtig, das die HA`s nun gerade durch Köpenick gefahren sind, als dieser Fussballclub sein Heimspiel dort austrug und mit „linken Chaoten“ gerechnet werden konnte.
    Ich vermute, da hat Herr Zingler seine Hände im Spiel. Man sagt ihm schließlich gewisse Kontakte zu stahlharten Typen alà Hinze und co nach.
    Und das Zingler seine Hände statt in Unschuld eher in Beton wäscht, sollte das letzte Blauauge nun endlich begreifen.
    Gut finde ich,das Du auf die negativen Tendenzen hinterm Tor bei den Köpenickern eingehst!
    „Mit Stolz im Herzen kämpfen für Berlin“
    Wie kann ein Ost-Berliner, ein Köpenicker noch dazu und ein Deutscher überhaupt das Wort „Stolz“ benutzen? Diese Art von Nationalismus ist in seiner perfiden Art kaum noch zu toppen.
    Auch das Wort „kämpfen“, legt man seinen Ursprung „Kampf“ zu Grunde, hat etwas typisch köpenickisches. „Kampf“– da war doch mal einer, der schrieb ein Buch über den seinigen…. Rechtes Gedankengut wohin man nur schaut!
    Und das Union vor Jahrzehnten sich bereits als Heimstätte für sein Stadion den Stadtteil Köpenick auswählte, hat ja auch gewisse Hintergründe, wusste man doch schon damals durch Insiderinformationen, das die NPD Pläne im Schubfach hatte, Jahrzehnte später ihre Zentrale in Köpenick zu errichten.
    Die Teilnahme von Unionfans an Antifa-Demos und anderen linken Projekten (SEON, etc)kann und muss Mensch somit als bloße Verschleierung dortigen faschistoiden Gedankengutes werten!
    So ist Köpenick bekanntermaßen durch und durch von Verbrechern und verbrecherischen Stories durchzogen. Man denke an den „Hauptmann“ Friedrich Wilhelm Voigt von Köpenick.
    Als weitere Beweise für die dunklen Verstrickungen von zwielichtigen Einrichtungen und rechten Vereinen sei die Eröffnung der Scientology-Church in der Köpenicker Otto-Suhr-Allee oder die Hinrichtungsstätte Plötzensee in Köpenick genannt.
    Äääähm- oder war die zwei letztgennanten Beispiele gar in einem anderen Stadtteil und man könnte hier ähnlich bescheuerte Parallelen zu einem (Tennis)-Verein im Westen von Berlin ziehen???
    Wer Grips hat, wird das ganz sicher nicht tun- wer aber böses will, hetzen um der Hetze willen,werfe irgendwelche „Argumente“ in einen Topf, rühre einmal um, und fertig ist der antifaschistische Vereinigungskuchen.
    Geschätzter Charlottenburger Freund, solche Art der Berichterstattung hat in Deutschland (unrühmliche) Tradition.
    Somit hast Du das Zeug zu einem ganz Grossen dieser Zeit!
    Daher: Weiter voran auf dem sicheren Weg des Sozialismus! Avanti Popolo!

  11. 11 der Zimmi 21. April 2010 um 16:07 Uhr

    Aha, kommentarlos löschen kennen wir allerdings auch…

  12. 12 Kritik 22. April 2010 um 21:07 Uhr

    ARSCHLOCH

  13. 13 fussballvonlinks 23. April 2010 um 1:38 Uhr

    @ der zimmi: nö, ich hab nur manchmal auch was besseres zu tun, als online zu sein und jeden kommentar umgehend freizuschalten. das kann schon mal nen halben tag dauernd… warum sollte ich auch einen kommentar zensieren, der seinen verfasser als ziemlichen idioten outet? aus mitleid?

    ist auch interessant dass sich die hälfte aller kommentare (meine eigenen mit eingerechnet) auf einen einzigen halbsatz beziehen. vielleicht sollte ich ab sofort einfach alles weglassen und nur noch halbe sätze über berliner stadtteile posten. scheint die menschen ja mehr zu interessieren als fußball…

    mir ist köpenick städtebaulich schön, aber vom flair her unsympathisch. genausowenig wie 90% der stadtteile berlins. ist das schlimm? ich kann mich doch nicht überall zuhause fühlen…

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