Archiv für März 2010

T-Shirt: „no al calcio moderno“

Beim Red Stuff-Antifaversand gibt es schon seit längerem ein sehr schickes T-Shirt mit dem Aufdruck „no al calcio moderno – gegen kommerzialisierung, repression und rassismus“. Das ist wahrscheinlich schon vielen bekannt, aber allen anderen sei es hiermit noch einmal kundgetan. Ein Link zum Artikel im Webshop findet ihr [hier]. Das Ladengeschäft findet ihr in der Waldemarstr. 110 in Berlin Kreuzberg nahe dem U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof.

„Fußball und Politik in Leipzig“ in der Jungle World

In der aktuellen Ausgabe der Jungle World geht es im Titelthema um „Fußball und Politik in Leipzig“:

Kick it like Völkerschlacht. Fußball ist in Leipzig gar kein Sport. Gegen braune Ochsen fighten rote Sterne. Red sind auch die Bullen, aber damit hat die Polizei wirklich nichts zu tun. Wegen ideologischer und philosophischer Meinungsverschiedenheiten kriegen sich auch Lokomotiven-Freunde und Chemiker regelmäßig in die Haare – sofern sie welche haben. Klingt alles krass, ist aber bestenfalls fünftklassig. In keiner anderen deutschen Stadt wird dermaßen miserabel Fußball gespielt, aber solch ein Aufhebens darum gemacht. Allerlei über Leipzig.

Hier die direkten Links zu allen vier Artikeln:

Sternzeichen gegen Rechts
Elke Wittich: Roter Stern und der Kampf gegen Rechts im Fußball

Eine Lokomotive auf Abwegen
Arthur Leone: Rechtsextreme Fußballfans in Leipzig

Das ist nicht mein Laden

Kommentar von Martin Krauß: Die Leipziger Tristesse

Die Gnade der späten Geburt

Elke Wittich: Redbull Leipzig. Ein Retorten-Verein aus der Dose



Einige Gedanken zur Idee „Ultra“

Ultras investieren überproportional mehr Zeit, Geld und Energie in ihr Fansein als durchschnittliche Anhänger_innen eines Vereins. Das Ideal der Ultras ein Leben für den Verein. Ultras sorgen für Stimmung im und ums Stadion mit Gesängen, Choreographien, Fahnen, Doppelhaltern und sofern möglich auch mit Pyrotechnik. Das alles ist an sich ja alles schön und gut, aber kann das denn wirklich alles sein?

Sicher, einige Ultragruppen wie etwa Ultrà Sankt Pauli betreiben aktive politische Arbeit z.B. im Bereich Antirassismus, aber wie viel mehr politische Arbeit könnten sie leisten, wenn sie nicht ein Gros ihrer Zeit in ihr Ultrasein investieren würden?

Wenn mensch mit auf der Autobahn zwischen Hamburg und Berlin unterwegs ist, kommt mensch an mindestens einem verfallenen Gebäude vorbei, auf dem einmal die ganze Mauer entlang (ein ‚whole house’ sozusagen…) ein riesiges Hansa Rostock-Graffiti prangt. Eine Aktion, die sehr gut zum Motto der Suptras, „Alles für den FCH!“, passt. Doch was ist der tiefere Sinn hinter diesem Graffiti? Um art for art’s sake wird es den Sprüher_innen wohl kaum gegangen sein. Das Ganze hat eher etwas von Revier markieren oder Turf abstecken.

In eine ähnliche Kerbe schlagen auch die zig Aufkleber von etwa genauso vielen unterschiedlichen Ultragruppierungen auf jeder noch so kleinen Raststätte an jeder Autobahn zwischen Niebüll und Rheinfelden. Irgendetwas scheint Ultras dazu zu treiben, überall und nirgendwo Spuren zu hinterlassen. Was ihr Territorialverhalten angeht gleicht das Verhalten von Ultragruppen auf erschreckende Art und Weise dem von Street Gangs. Nicht nur wird überall der Name des eigenen Kollektivs hinterlassen, es werden auch nach Möglichkeit alle Spuren gegnerischer Gruppen überklebt und übermalt oder wenigstens durchgestrichen und so gut es geht abgekratzt. Es scheint so, als wenn Ultras sich nicht nur über die Unterstützung ihres Vereins, sondern auch über die Ablehnung oder gar Bekämpfung ausgewählter Feindbilder zu identifizieren. Diese Feindbilder sind meist noch aus der Zeit der Kutten tradiert und überliefert, werden aber anders als die stilistischen NoGos dieser Spezies Fan in den seltensten Fällen kritisch hinterfragt. Wie eh und je heißt es HSV gegen Werder, St. Pauli gegen Rostock, Lok gegen Chemie oder Schalke gegen BVB. Innovation Fehlanzeige.

Es lässt sich nicht leugnen, dass es in nahezu allen Ultragruppen auch Frauen bzw. Nicht-Biomänner gibt, aber zu leugnen, dass biologische Männer bzw. Jungs in allen Ultragruppen (außer den ganz paar reinen Frauengruppen, die aber in der Praxis dann doch meist im Schatten der Männergruppen beim selben Verein stehen) die übergroße Mehrheit stellen und absolut tonangebend sind, wäre nicht weniger als eine Lüge. Ultra war schon immer und ist noch immer in allererster Linie ein männliches Phänomen. Da ist es dann auch kein Wunder, dass dort vor allem männlich kodierte Verhaltensweisen präsent sind. Ultras geben sich militant um der Militanz willen, spielen gerne Straßenkämpfer_in und verteidigen „ihren“ Kiez, ihre Stadt wenn es nötig ist und auch wenn es unnötig ist bis aufs Blut. Ultragruppen gerieren sich gern basisdemokratisch, aber in der Praxis sind die Strukturen doch immer hierarchisch und Menschen, die schon länger dabei sind haben überall mehr zu sagen, als solche, die neu sind. Wer in der Hierarchie aufsteigen will, muss sich beweisen und Einsatz zeigen für den Verein bzw. für die Gruppe. Bei den Hells Angels läuft es nicht viel anders.

Ultras kritisieren fast unisono den „modernen Fußball“ und das sicher nicht zu unrecht, auch wenn die Kritik manchmal weniger Kritik als verkürzte, strukturell antisemitische Parole gegen „die da oben“ ist. Es drängt sich jedoch eine Frage auf, die auch die Gruppe Nordkaos bei Victoria Hamburg in ihrem Selbstverständnis aufwirft: Wieso gehen die Ultras denn dann bitte scharenweise in genau die Arenen, in denen eben jener „moderne Fußball“ feilgeboten wird? So groß kann die Abneigung dem calcio moderno gegenüber dann ja anscheinend doch nicht sein. Jedenfalls nicht groß genug, um daraus Konsequenzen zu ziehen.

Es ließe sich sogar – und das nicht zu Unrecht – behaupten, dass das Phänomen „Ultra“ ein integraler Bestandteil des „modernen Fußballs“ ist. Zuallermindestens in Deutschland, wo der Siegeszug des „modernen Fußballs“ wohl nicht ganz zufällig parallel zum Aufstieg der Ultras zur dominanten Kraft in den Kurven verlief. Ultras liefern die schönen, bunten Fernsehbilder und sorgen für Stimmung und Unterhaltung in den Stadien. Bei überteuerten Spielen unter der Woche in den europäischen Wettbewerben sind sie oft sogar fast die einzigen, die überhaupt so blöd sind, ins Stadion zu gehen, um einem Spiel beizuwohnen, dessen Sinn es einzig und allein ist, durch Fernseheinnahmen Geld in die Vereinskassen zu spülen.

Es gibt auch Ultragruppen, die sich explizit als links verstehen und noch viel mehr, die sich zumindest eindeutig gegen Nazis und Rassismus positionieren. Aber wenn es hart auf hart kommt, bewerfen sich auch schon mal Ultras gegenseitig mit Allem, was nicht niet- und nagelfest ist, die noch letztes Wochenende zusammen als Antifas gegen Nazis auf die Straße gegangen sind oder jagen Menschen durch Straßen und über Autobahnraststätten, nur weil sie einen anderen Fußballverein gut finden. Dass dabei offenbar niemandem auffällt, wie sehr die Frankenjagd der Bayern dem Türkenklatschen der Faschos gleicht, ist ein Rätsel, das sich wohl nur mit akutem Nicht-sehen-Wollen erklären lässt.

Im Zuge des Skandals um Paolo di Canio und seinen faschistischen Gruß vor etwa fünf Jahren sagte irgendein Experte im italienischen Fußball sehr richtig, Fußball sei schon immer eher rechts gewesen. Zwar hat es auch immer eine Tradition von dezidiert linken Vereinen, meist Arbeiter_innenvereinen, aber das war leider immer nur ein Randphänomen. Und auch wenn in den meisten Kurven die Mehrzahl der Menschen weder Nazi noch Faschist_in ist, so sind die zugrunde liegenden Strukturen bei Lazio Rom genauso fragwürdig und mindestens latent faschistoid wie bei Bayern München oder dem FC St. Pauli. Kern des Fanseins ist immer die Identifikation mit dem Verein bzw. der Mannschaft. Kern des Erlebnisses Fußballspiel ist das Aufgehen in der Masse, das Gefühl mit Gleichgesinnten für zu leiden, zu jubeln und zu kämpfen, wenn auch meist nur verbal. Natürlich ist es besser, wenn sich diese Gefühle bei Kickers Offenbach gegen Energie Cottbus Bahn brechen, als bei Kriegen oder Pogromen, aber die Triebfeder dahinter ist immer dieselbe: Identität durch gemeinsame Identifikation mit einem höheren Ziel (Nation, Gott, Verein) und Identität durch Abgrenzung von einem wie auch immer gearteten Anderen (andere Nation, anderer Gott, anderer Verein).

Es ist völlig okay, es besser zu finden, wenn ein Team, das einer_m gefällt, gewinnt, als wenn es verlieren würde, aber alles, was darüber hinaus geht, ist zumindest latent gefährlich. Als ich Heiligabend mit einem recht sympathischen Mann mittleren Alters per Mitfahrgelegenheit von Hamburg nach Berlin fuhr, meinte dieser irgendwann auf halber Strecke, dass wenn ich schon vor der Abfahrt erwähnt hätte, dass ich Werder Bremen irgendwie sympathischer finde als den Hamburger SV, ich gleich hätte da bleiben können. Seine Aversionen, die sich im Gespräch äußerten, waren absolut ehrlich und abgrundtief. Sollte Sport nicht Menschen eigentlich näher zusammenbringen?

Ultras forcieren dieses Identitätsstiftende Moment, indem sie die Identifikation mit und die Aufopferung für den Verein sakral überhöhen und zum Sinn und Einheit stiftenden Element machen. Auch wenn Ultras sich von Hooligans ganz klar und deutlich unterscheiden, erinnern ihre gewalttätigen Exzesse doch arg an den Hooliganismus der alten britischen Schule. Wer ist nicht glaubt, kann gerne aktuelle Youtube-Videos mit den Bildern in der ersten Staffel der empfehlenswerten Dokuserie „The Real Football Factories“ mit Danny Dyer vergleichen. Und in ähnlicher Weise wie bei Hooligans scheint bei Ultras auch das Fußballspiel an sich mit der Zeit zunehmend an Bedeutung zu verlieren. Für erstere zählt vor allem die dritte Halbzeit, für letztere der Support, den es gilt sauber abzuliefern. Dein Team ist zu Hause sang- und klanglos gegen den Tabellenletzten untergegangen? Scheißegal, solange die Choreographie so richtig gut geklappt hat und möglichst viele Leute den neuesten Gesang mitgesungen haben…

Auch wenn viele es nicht verstehen werden und mir aufgrund dieser Worte jedes Recht absprechen werden, überhaupt über dieses Thema zu schreiben: Es ist nur Fußball!

Es ist nur Fußball, und das ist auch gut so. Fußball ist super. Auch ohne bescheuerten Lokal- oder Vereinspatriotismus und Borgartiges Aufgehen im Kollektiv. Fußball ist eine Ballsportart und Ultra ist eine Subkultur, in der diese Ballsportart entgegen aller Beteuerungen weit weniger wichtig ist als das Gefühl, irgendwo dazuzugehören und mit Menschen, die einer_m ähnlich sind Zeit zu verbringen. Fußball ist eine klasse Sache. So klasse sogar, dass es auch ohne männlich kodiertes Rumgemacker auf den Rängen und rund ums Stadion nicht an Wert verliert. Wer glaubt, es sie in irgendeiner Form zu rechtfertigen, wenn er_sie versucht, fremde Menschen aus der eigenen Stadt, dem eigenen Viertel zu vertreiben, weil sie fremd oder anders sind, und dabei am besten noch Fahnen zu schwenken und den Namen des Ortes der eigenen Herkunft zu brüllen, hat nicht nur im Geschichtsunterricht ein paar entscheidende Stunden versäumt, sondern auch sonst nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun, was ich am Fußball mag.

Nie wieder Ultra! Für einen ganz anderen Fußball!

Go West, life is peaceful there

Tennis Borussia BerlinFC St. Pauli II 2:1

Samstag, 27.03.2010, 14:00, Momsenstadion, Regionalliga Nord (Männer)

Nach kurzem Boxenstopp zu Hause ging es weiter per S-Bahn nach weit im Westen, und auf dem Weg durfte ich schmerzhaft feststellen, dass Menschen zu Bundesligaspielen, die eineinhalb Stunden später anfangen als Regionalligaspiele durchaus trotzdem schon in großer Zahl die Züge der BVG bevölkern. Alles voll mit Anhänger_innen von Hertha BSC und Borussia Dortmund (0:0). Wieder einmal wurde mir schmerzlich bewusst, dass eigentlich doch das meiste am Fußball eher scheiße ist, aber es gibt ja noch die Nischen. Dachte ich mir zumindest…

Denn im Stadion angekommen, durfte ich die Bekanntschaft einer ganz neuen Spezies Fan machen: dem Kutra. Ein Kutra vermischt gekonnt das fehlende Stilbewusstsein der Kutte mit dem Liedgut und dem „Alle Hände in die Höhe!“ der Ultras. In diesem Fall gelang es ihm sogar, die Ordner_innen, nachdem er zuerst versucht hatte den Zaun zu erklimmen, davon zu überzeugen, ihm eine bestuhlte, rollbare Treppe vor den Block zu rollen, damit er Kapo spielen kann (siehe Foto), was mich und einige der angereisten Skinheads St. Pauli zum zwischenzeitlichen Blockwechseln animierte.

Da ich es, wie ich schändlicherweise eingestehen muss, bis dato noch nie geschafft hatte, ein Heimspiel von Tebe zu besuchen, war ich mehr als freudig überrascht, wie viele bekannte Gesichter sich doch unter den Supporter_innen der Lila-Weißen befanden und auch die breite Palette aufgefahrener Infotische vom LSVD bis zur Flüchtlingsinitiative war mehr als aller Ehren wert. Da hab ich doch auch gleich mal einen Satz „We save Tebe“-Sticker erworben.

Das Spiel selbst plätscherte die gesamte erste Halbzeit vor knapp über 700 Zuschauer_innen doch arg vor sich hin, wobei St. Pauli eindeutig die besseren der kaum Chancen zu nennenden Chancen hatte. Das Tor freilich schossen dann die anderen und Breitkopf brachte Tebe nach einem sehenswerten Angriff kurz vor der Halbzeit in Führung. Nach dem Seitenwechsel passierte wieder erstmal fast zwanzig Minuten rein gar nichts, bis Anuk in der 63. Minute – zu diesem Zeitpunkt dann doch schon eher verdient, weil von St. Pauli nahezu nichts kam – auf 2:0 erhöhte. Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, dass die Jungs in Braun sich nun in ihr Schicksal ergeben und noch weniger tun würden. Aber anscheinend kann so ein 0:2-Rückstand auch irgendwie motivierend wirken, denn St. Pauli kam jetzt immer und immer wieder gefährlich vor das gegnerische Tor, scheiterten jedoch ein ums andere Mal an ihrem eigenen Unvermögen, oder dem wirklich gut spielenden und dazu noch sehr glücklich agierenden Langen (das ist sein Name…) im Tor der Borussia. Als Pichinot dann in der 87. doch noch den Anschlusstreffer erzielte, war es allerdings leider schon zu spät, um das Blatt noch zu wenden. Ein Unentschieden wäre zu diesem Zeitpunkt allemal verdient gewesen.

So aber blieb nur, nach Abpfiff zu den Freund_innen und Bekannte im Tebeblock bzw. in der Freibierschlange zu gehen und noch gemütlich eine Stunde zu schnacken und zu chillen, bevor es mit der ganzen Bagage kollektiv und mit der S-Bahn Richtung Innenstadt ging. Doch während die Mehrzahl sich direkt zur Tebe-St. Pauli-Party im C-Club aufmachte, fuhr ich lieber weiter nach Mitte und versuchte ein wenig von dem fehlenden Schlaf der letzten Nacht nachzuholen.

PS: Und niemals vergessen: Sylvester Stalone!


Frühaufstehen ist so mehr was für dich…

Roter Stern Nordost BerlinFC Hertha 03 II 5:0

Samstag, 27.03.2010, 10:00, Im Grund KR1 (Stadion Hansastraße?), Freizeit-Bezirksliga Staffel 1 (Männer)

Irgendwie hatte ich es tatsächlich geschafft rechtzeitig aufzustehen, und dank koscher-veganem Frühstück auf die Hand von Bäckerei Kaedtler plus Fritz Kaffee-Cola vom Späti gegenüber war ich auch bestens gerüstet für ein gesundes Frühstück in der Tram Richtung tiefstes Weißensee. Quasi als Zugabe gab es dann für die letzten drei Stationen auch noch Ersatzverkehr in den gemütlichen Bussen der BVG. Ich hatte das Glück, dass ich nicht als einzige Person nicht ganz so pünktlich war und fand dank gekonntem Hinterhergehen ziemlich schnell den Weg zum (gefühlt) letzten Sportplatz vor Brandenburg. Das 1:0 für Roter Stern nach geschätzten drei Minuten hatte ich trotzdem verpasst.

Das Spiel gegen die zweite Freizeitligamannschaft der kleinen Hertha war emotional reichlich aufgeladen. Immerhin waren es die Zehlendorfer, die dem soliden Tabellenführer in der Hinrude die bisher einzige Niederlage der Saison zugefügt hatten. Schiedrichter Utz Worlitz tat mit seiner großzügigen Kartenvergabe noch sein Übriges dazu und das am Ende nur ein Spieler von Roter Stern mit Gelb-Rot vom Platz flog, war bei seiner Regelauslegung gepaart mit dem allseits vorhandenen Hang zu Pöbeleien eigentlich fast schon ein Wunder. Aber der gute Herr kann ja nicht überall seine Augen und Ohren haben…

Der Fortgang des Spiels ist schnell zusammengefasst, denn dank vier Toren inklusive lupenreinem Hattrick in der zweiten Hälfte von irgendwem, dessen Namen ich nicht kenne, schickten die Kicker vom Stern die behäbig und arrogant auftretenden Westberliner hoch verdient mit 5:0 zurück nach kurz vor Potsdam. Die zwei bis drei wirklich guten Chancen der Feierabendtruppe mit der Sonnenklar TV-Werbung auf den Trikots machte Roter Sterns glänzend aufgelegter Schlussmann zunichte. Vielleicht fühlte sich auch deshalb einer von ihnen bemüßigt nach Spielende irgendwas von Arbeitsamt Richtung feierte Massen zu rufen. Aber so konnte der mittlerweile angerückte Nachwuchs vom Weißenseer FC und Concordia Irgendwas wenigstens mal sehen, worum es beim Fußball wirklich geht…

Beim Abpfiff waren auch tatsächlich schon zehn bis fünfzehn Zuschauer_innen vor Ort inklusive einem reichlich zerfeierten Gast von Roter Stern Leipzig, von denen dann auch einige auf dem gleichen Wege wie ich gleich weiter ziehen sollten zu Tebe gegen St. Pauli im Momsenstadion in Westend. Schön auch, dass die Mannschaft die Gäste mit Handschlag begrüßt. Und wenn mensch bedenkt, dass das hier ein Spiel in der alleruntersten Liga, der Betonklasse sozusagen, was, dann ist der Zuschauer_innenschnitt auch geradezu phänomenal eigentlich. Mit Roter Stern Nordost in seiner ersten Saison ist die Berliner Fußballlandschaft jedenfalls um eine Attraktion reicher und ich freu mich jetzt schon auf die Aufstiegsfeier.



The Puma Hardchorus

Ich könnte es immer und immer wieder hören…

Antifaschistische Demostration vor Spiel in Brandis

Aus dem Umfeld von Roter Stern Leipzig kommt folgender Aufruf:

Für den 7. April ruft der Red Star Supporters Club (RSSC) zur Teilnahme an einer antifaschistischen Demonstration in Brandis auf! Die nach zwei Verhandlungen vom Sportgericht verfügte Neuansetzung der am 24. Oktober 2009 nach dem Überfall von rund 50 Neonazis auf Spieler, Fans und Vereinsvertreter_innen nach 2 Minuten abgebrochene Partie zwischen dem FSV Brandis und RSL wurde vom Fußballverband auf Mittwoch 7. April um 18.30 Uhr festgelegt. Nach langen Diskussionen haben Mannschaft und Verein beschlossen am 7.4. wieder in Brandis anzutreten – den Nazis wird das Spielfeld nicht überlassen!

Aber dabei wollen wir es nicht belassen! Schon um 17 Uhr werden wir uns am Bahnhof in Brandis zu einer antifaschistischen Demo einfinden und von dort gemeinsam zum Sportplatz laufen.

Zu den Hintergünden hier ein Artikel aus der Jungle World 45/09.